Vitalpilze – Lebensmittel oder doch Arzneimittel?

Vitalpilze sind nicht für den normalen Verzehr geeignet. Es handelt es sich dabei um Pilze, die zerkleinert oder pulverisiert in Kapseln oder als Extrakte in Nahrungsergänzungsmitteln angeboten werden. Im Internet werden die Pilze mit gesundheitsbezogenen Versprechen beworben, wie Steigerung der Potenz, Verzögerung des Alterungsprozesses, Wirkung gegen Krebs. Verbraucher könnten Vitalpilzprodukte daher als Arzneimittel ansehen.

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Kapseln mit Gingko-Extrakt und Gingkoblatt

Was sind Vitalpilzprodukte wirklich?

Im Internet werden Vitalpilze oft mit ihrer krankheitsbezogenen Wirkung beworben. Unterschiedliche Wirkungen wie „Steigerung der Potenz“, „Verzögerung des Alterungsprozesses“ oder „Wirkung gegen Krebs“ werden versprochen. In vielen Fällen haben diese Aussagen jedoch keine wissenschaftliche Grundlage. In ihrer Stellungnahme kommt die Gemeinsame Expertenkommission vom BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) und BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) zu dem Schluss, dass die Vitalpilzprodukte von Verbrauchern nicht als Lebensmittel, sondern als Arzneimittel angesehen werden könnten. Dann nämlich müsste ihre medizinische Wirksamkeit und Unbedenklichkeit in einem Zulassungsverfahren belegt sein. 

Vitalpilze im Handel

Seit einigen Jahren nimmt der Anteil an sogenannten Vitalpilzen auf dem deutschen Markt stetig zu. Es handelt es sich dabei um Pilze, die - wenn überhaupt - zumeist nur aus der traditionellen chinesischen Medizin bekannt sind. In den meisten Fällen sind sie vor allem aufgrund ihres Geschmacks für den normalen Verzehr nicht geeignet. Vitalpilze werden zerkleinert oder pulverisiert in Kapseln oder in Form von Extrakten als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Sie werden vorwiegend über das Internet vertrieben. 

Anhand der Verpackung ist für die Verbraucher häufig nicht ersichtlich, zu welcher Verwendung die Vitalpilzprodukte bestimmt sind. Im Internet dagegen werden die Pilze mit unterschiedlichen Heil- und Wirkversprechen beworben. 
Für Lebensmittel und somit auch Nahrungsergänzungsmittel ist eine krankheitsbezogene Werbung aber verboten. Den hier betrachteten Pilzarten, chinesischer Raupenpilz (Cordyceps sinensis), Schmetterlingstramete (Coriolus versicolor) und Lackporling (Ganoderma lucidum), wird etwa eine positive Wirkung bei Rheuma, Impotenz oder Depression zugeschrieben. 

Verbraucherinformation oder Verbrauchertäuschung?

Die Gemeinsame Expertenkommission von BVL und BfArM geht deshalb davon aus, dass ein durchschnittlich informierter Verbraucher die Vitalpilzprodukte auch ohne genaue Hinweise auf der Verpackung allein durch die Bewerbung -insbesondere im Internet- mit einer medizinischen Wirkung in Verbindung bringt. Die Expertenkommission ist zu dem Ergebnis gelangt, dass die Produkte der drei betrachteten Vitalpilzarten, insbesondere dann unzulässig als Lebensmittel (Nahrungsergänzungsmittel) im Verkehr sind, wenn für eine konkrete Information zu dem einzelnen Produkt auf die allgemeinen Informationen im Internet zurückgegriffen werden muss.
Die Kommission sieht die Gefahr, dass Verbraucher die Vitalpilzprodukte aufgrund der krankheitsbezogenen Bewerbung im Internet als Arzneimittel ansehen können. Entsprechend den Regelungen des Arzneimittelgesetzes müsste dann für diese Produkte die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit in einem Zulassungsverfahren nachgewiesen werden.

Hintergrund

Die Gemeinsame Expertenkommission wurde 2013 ressortübergreifend im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eingerichtet. Hintergrund war, dass Stoffe, die bislang vorwiegend oder ausschließlich in Arzneimitteln verwendet wurden, vermehrt als Lebensmittel oder Lebensmittelzutaten in Verkehr gebracht werden. Seitens der Behörden bestehen jedoch häufig Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und der Verkehrsfähigkeit dieser Erzeugnisse als Lebensmittel. Ziel dieser Gemeinsamen Expertenkommission ist es, als unabhängiges Gremium unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse und rechtlicher Vorgaben Stellungnahmen zu erarbeiten, um mögliche Gesundheitsgefahren besser erkennen oder die Einstufung eines Stoffes als Arzneimittel erleichtern zu können.

Stand: März 2015