Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ruft valsartanhaltige Arzneimitteln zurück

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat am 4. Juli 2018 vorsorglich bestimmte Chargen von Valsartan-haltigen Arzneimitteln zurückgerufen. Betroffen sind Arzneimittel, deren Wirkstoff Valsartan von dem chinesischen Hersteller Zhejiang Huahai Pharmaceutical produziert wurde. Auf keinen Fall sollten Patienten Valsartan-haltige Arzneimittel ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt absetzen. Es sind nicht alle valsartanhaltigen Arzneimittel betroffen.

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Schild Achtung

Grund für den Rückruf ist eine produktionsbedingte Verunreinigung des Wirkstoffs mit N-Nitrosodimethylamin, das von der Internationalen Agentur für Krebsforschung der WHO und der EU als wahrscheinlich krebserregend beim Menschen eingestuft wird. Der Rückruf erfolgt durch die pharmazeutischen Hersteller und betrifft Apotheken und Großhändler. Eine aktuelle Übersicht, welche valsartanhaltigen Arzneimittel betroffen sind, ist auf der Homepage der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) öffentlich zugänglich.

Experteninterview mit Daniela Hubloher von der Verbraucherzentrale Hessen

Daniela Hubloher ist Medizinerin und seit vielen Jahren bei der Verbraucherzentrale Hessen tätig.

Was empfehlen Sie Verbrauchern?

Nicht in Panik zu verfallen. Auf keinen Fall sollten Patienten valsartanhaltige Arzneimittel ohne Rücksprache mit der behandelnden Ärztin, dem behandelnden Arzt absetzen. Es sind nicht alle valsartanhaltigen Arzneimittel betroffen, sondern bestimmte Chargen bestimmter Hersteller. Verbraucher können sich bei ihrem Apotheker oder ihrem Arzt informieren, ob ihr Medikament betroffen ist.

Wenn mein Medikament von dem Rückruf betroffen ist, was mache ich dann?

Leider werden Sie das Medikament in der Apotheke nicht einfach umtauschen können, sondern brauchen ein neues Rezept. Aus früheren Rückrufaktionen bestehen diesbezüglich Erfahrungen. 2014 bezog sich das Bundesgesundheitsministerium auf das Arzneimittelgesetz und meinte, dass auch bei einem Austausch eines Arzneimittels ein Arzt konsultiert werden muss. Die Diagnose sowie therapiealternativen sollten auch anlässlich einer „Austausch“-Verschreibung vom Arzt geprüft werden. Also wäre der erste Weg zum Arzt und dann in die Apotheke.

Muss ich als gesetzlich Versicherter dann wieder die Zuzahlung leisten?

Ja, leider. Wenn Sie aber die Quittung der Zuzahlung von dem zurückgerufenen Medikament noch haben, erhalten Sie eine Erstattung von der Krankenkasse.

Was fordern Sie von den Arzneimittelherstellern?

An erster Stelle muss die Patientensicherheit stehen. Da sind die Hersteller in der Pflicht, sie müssen die Qualität der Arzneimittel gewährleisten. Wenn ein neues Produktionsverfahren angewendet wird, müssen alle Beteiligten, der Hersteller des Wirkstoffs und der Hersteller des Fertigarzneimittels besonders aufmerksam sein, ob unerwünschte Nebenprodukte entstehen.

Daniela Hubloher
Daniela Hubloher

Quelle: Presseinformation der Verbraucherzentrale Hessen

Stand: Juli 2018