Aufbaukur für die Darmflora – sinnvoll oder Geldverschwendung?

Viele Verbraucher haben es schon erlebt: Nach einer Antibiotika-Behandlung macht der Darm Probleme. Das rührt daher, dass Antibiotika auch die gesunde Darmflora angreifen. Zahlreiche Mittel zur Regeneration der Darmflora sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Aber halten die Produkte was die Werbung verspricht? Und sind die Mittel völlig harmlos?

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Darm schematisch

Antibiotika greifen Darmflora an

Wer Antibiotika einnehmen muss, riskiert auch stets, dass der Darm rebelliert. Dies liegt daran, dass mit den krankmachenden Bakterien im Körper auch stets ein mehr oder weniger großer Teil der „guten“ Bakterien, die im Darm angesiedelt sind und die wir Menschen für eine normale Verdauung brauchen, abgetötet werden. Folge davon sind Verdauungsstörungen, die beispielsweise mit Bauchschmerzen und Durchfällen einhergehen.

Für die Wiederherstellung der natürlichen Darmflora werden Mittel mit lebenden Bakterienkulturen angepriesen. Die Liste der für eine sogenannte Darmsanierung oder Regeneration der natürlichen Darmflora angebotenen Produkte ist lang. Zusammenfassend spricht man von Probiotika. Es handelt es sich dabei um Pulver, Kapseln, Tabletten oder Flüssigkeiten, die nützliche Mikroorganismen wie Bifidobacterien, Lactobacillen, Saccharomyces-Arten (Hefebakterien) oder Streptococcus-Arten enthalten.

Die Theorie besagt, dass die verabreichten „guten“ Bakterienstämme den Darm besiedeln und dort durch die Umwandlung von Kohlenhydraten in Milch- und Essigsäure ein günstiges Klima für die natürlicherweise im Darm von gesunden Menschen vorkommenden Keimen schaffen. Auf diese Weise soll sich die Darmflora schneller regenerieren.

Wie lange dauert eine Darmsanierung?

Die Dauer einer Darmsanierung ist abhängig vom Grad der Schädigung. Bis die Darmflora wieder intakt ist, kann es bis zu drei Monate dauern. Hier ist also Geduld gefragt. Allerdings spüren viele Patienten bereits nach etwa zwei Wochen eine Verbesserung der Symptome.

Probiotika nicht immer nützlich

Diese auf Erfahrungswerten basierenden Aussagen sind wissenschaftlich nicht belegt, auch wenn vieles dafürspricht, dass einige Stämme von Milchsäurebakterien (Lactobacillus rhamnosus und Bifidobacterium longum) oder auch Bäckerhefe (Saccharomyces boulardii) zur Durchfall-Prophylaxe nach einer Antibiotika-Therapie geeignet sind. Einige Fachleute bezweifeln das. In einer Vergleichsstudie wurden einer Gruppe von zuvor antibiotisch therapierten Patienten Probiotika über vier Wochen verabreicht, eine Vergleichsgruppe erhielt kein Probiotikum. Zwar hatten nach Ablauf des Beobachtungszeitraums die Probiotika den Darm der behandelten Probanden besiedelt, jedoch gelang es selbst über einen längeren Zeitraum nicht, den Zustand des Darms vor der Antibiose wiederherzustellen. Im Gegensatz dazu regenerierte sich die Darmflora jener Patienten, die keine Probiotika erhielten, innerhalb weniger Tage von selbst. Daraus ließe sich der Schluss ziehen, dass Probiotika eine Regeneration des Darmes sogar verzögern statt beschleunigen können.

Die Wirksamkeit von während einer Antibiotika-Therapie verabreichten Probiotika wird ebenfalls von Fachleuten angezweifelt: Eine Studie an Senioren hat gezeigt, dass die prophylaktische Gabe von Probiotika die Häufigkeit auftretender Durchfällle nicht reduzieren konnten.

Risiken und Nebenwirkungen

Nebenwirkungen von Probiotika sind selten. Sie gelten als sicher für gesunde Personen. Beschrieben werden in der Literatur Fälle von Besiedelung des Dünndarms mit Milchsäure-Bakterien, was zu Blähungen und Magenbeschwerden geführt hat. Allerdings ist die Anzahl der vorliegenden Studien zu dem Thema Sicherheit von Probiotika noch recht gering.

Vorsichtig müssen Patienten – hier insbesondere Kinder – mit Immunschwäche, Herzschäden, Abnahme weißer Blutkörperchen oder bei bestimmten Magen-Darm-Erkrankungen sowie bei einer Tumortherapie sein.

Fazit

  • Zur Durchfall-Prophylaxe nach einer Antibiotika-Therapie können Probiotika hilfreich sein.
  • Probiotika gelten als sicher für gesunde Personen.
  • Kranken Menschen wird zur Vorsicht vor übermäßigem und wahllosem Gebrauch von Probiotika geraten.
  • Viele Fachleute bezweifeln den Nutzen von Probiotika beim gesunden Menschen. Die Frage ob die Mittel aus der Apotheke ihr Geld wert sind lässt sich daher nicht eindeutig beantworten. Im Zweifel gilt auch hier „Probieren geht über Studieren“. (ack)

Stand: Oktober 2019