Kosten senken

Zahnersatz ist teuer. Wenn beispielsweise ein fehlender Zahn ersetzt werden soll, können die Kosten für eine Brücke oder auch ein Implantat schnell bei ein- bis dreitausend Euro liegen. Den größten Teil der Kosten zahlen die Patienten zahlen meist selbst. Vor der Behandlung, sollte man sich daher einen Überblick über verschiedene Versorgungsmöglichkeiten verschaffen.

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Zahnersatz Gebiss

Kassen zahlen feste Zuschüsse

Seit 2005 zahlen Krankenkassen bei der Zahnbehandlung feste Zuschüsse, abhängig vom Befund. Je nachdem, welche Art der Patienten wählen, führt dies zu erheblichen Kosten für Verbraucher.

Ausgangslage für den Zuschuss der Kasse ist das Untersuchungsergebnis des Zahnarztes. Stellt der Zahnarzt zum Beispiel fest, dass ein Zahn mit einer Krone versehen werden muss, zahlt die Krankenkasse rund 142 Euro dafür. Dieser Betrag deckt etwa 50 Prozent der tatsächlichen Kosten für eine Standardversorgung. Wer mehr will als die Regelversorgung, muss die restlichen Kosten aus eigener Tasche bezahlen.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Patienten haben drei Möglichkeiten der Versorgung, unter denen sie wählen können. Die Zahnärzte können dabei jeweils unterschiedlich abrechnen. Die kostengünstigste Versorgung ist die so genannte Regelversorgung. Krankenkassen und Zahnärzte haben sich auf Standardbehandlungen geeinigt, für die feste Beträge zugrunde gelegt sind. Den Zahnärzten ist durch einen Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen (BEMA) vorgeschrieben, wie viel sie dabei abrechnen dürfen. Die Beträge orientieren sich an durchschnittlichen Kosten für eine Standardtherapie. In der Regel bedeutet sie die einfachste Versorgung mit Zahnersatz, zum Beispiel mit einer nicht verblendeten Krone aus Metall im hinteren Mundbereich. Der Festzuschuss beträgt etwa 50 Prozent der tatsächlichen Kosten, einschließlich der Material- und Laborkosten.

Achtung:

Die Kassen zahlen nicht für große Brücken, die mehr als vier fehlende Zähne pro Kiefer oder mehr als drei Zähne je Seitenzahngebiet ersetzen. Für so genannte Kombinationsversorgungen mit mehr als zwei Verbindungselementen pro Kiefer wird auch nicht gezahlt.

Ausnahme: Der Restzahnbestand beträgt höchstens drei Zähne je Kiefer.

Die Regelversorgung ist bei Metallen auf die Verwendung von edelmetallfreien Materialien begrenzt. Private Zuzahlungen für Edelmetalle, wie Gold, sind möglich.

Der Zahnarzt rechnet den Festzuschuss direkt mit der Kasse ab. Den Rest zahlt der Patient als Eigenanteil.

Beispiel: Ein Patient wählt als Regelversorgung eine Metallkrone. Der Zahnarzt stellt dafür 342 Euro in Rechnung. Der Festzuschuss beträgt 142 Euro. Der Eigenanteil des Patienten beträgt 200 Euro.

Bonus - regelmäßige Vorsorge wird belohnt

Wer regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen zum Zahnarzt geht, erhält einen höheren Zuschuss, den Bonus. Nach fünf Jahren nachgewiesener Vorsorge gibt es einen um 20 Prozent höheren Festzuschuss, nach zehn Jahren einen um 30 Prozent erhöhten Zuschuss.

Beispiel:

Der Festzuschuss bei einer Lücke von zwei nebeneinander fehlenden Zähnen (Regelversorgung: Brücke) beträgt 385,05 Euro. Je nach erreichtem Bonusniveau steigt dieser Betrag auf 462,06 Euro beziehungsweise auf 500,57 Euro.

Höherwertige Versorgung kostet mehr

Wer mehr als die Standardversorgung möchte, muss dafür auch mehr bezahlen. Patienten können wählen, ob sie neben der Regelleistung weitere Leistungen wünschen oder eine vollständig andere Versorgung durchführen lassen. In jedem Fall rechnet der Zahnarzt dann nach der teureren Gebührenordnung für Zahnärzte ab. Wird die Regelleistung neben weiteren Leistungen durchgeführt, erhält der Zahnarzt den Festzuschuss für die Regelleistung direkt von der Kasse.

Beispiel für weitere Leistungen:

Ein Patient wählt eine Krone mit Keramikverblendung. Zu der Regelversorgung kommt als zusätzliche Leistung ein Mehraufwand für den Keramiküberzug des Zahnes hinzu. Die Gesamtkosten betragen 542 Euro. Der Zuschuss der Kasse bleibt gleich mit 142 Euro. Der Patient muss 400 Euro aus eigener Tasche zahlen.

Beispiel für eine vollständig andersartige Versorgung:

Ein Patient wählt statt einer herausnehmbaren Prothese ein Implantat.

Dies ist die teuerste Variante von Zahnersatz. Der Zahnarzt kann dann sämtliche Leistungen privat abrechnen. Der Patient muss zunächst den gesamten Betrag an den Arzt zahlen. Die Krankenkasse zahlt lediglich auf Antrag den jeweiligen Festzuschuss.

Aufsätze auf Implantate können bezuschusst werden, beispielsweise eine Krone, die auf einem Implantat sitzt. Die Kosten für das Implantat selbst (ärztliche Leistung und Materialkosten) zahlen Patienten vollständig alleine. Auch für Implantate fallen die Kosten sehr unterschiedlich aus. Schätzungen zufolge kann dabei von mindestens 1.100 Euro pro Implantat ausgegangen werden. Je nachdem wie aufwändig der Zahnarzt die Behandlung einstuft und welche Materialien gewählt werden, können weitere, nicht unerhebliche Kosten dazu kommen.

Tipps zur Auswahl der richtigen Versorgung

  • Nicht unbedingt den ersten Vorschlag des Zahnarztes akzeptieren, sondern nach anderen Versorgungsmöglichkeiten und deren Kosten sowie dem Kostenanteil für Patienten fragen. Der Zahnarzt ist dazu verpflichtet, seinen Patienten diese Auskünfte zu geben.
     
  • In vielen Fällen reicht die Regelversorgung als kostengünstigste Versorgung aus. Meist müssen sich Patienten nicht für die sehr teure andersartige Versorgung, beispielsweise mittels eines Implantats, entscheiden.
     
  • Es ist grundsätzlich ratsam, sich eine Meinung eines weiteren Zahnarztes einzuholen. Er sollte angeben, zu welcher Versorgung er rät und welche Kosten dafür bei ihm entstehen würden. Ein zweiter Heil- und Kostenplan sollte kostenlos erfolgen. Verlangt der Zahnarzt eine private Vergütung hierfür, sollte man dies ablehnen und sich an die Krankenkasse wenden, die in der Regel dafür bezahlt.
     
  • Hilfreich ist auch eine Beratung durch die Krankenkasse. Einige Kassen bieten speziell zum Thema Zahnersatz individuelle Beratung an oder vermitteln Zahnärzte, die eine Zweitmeinung abgeben.

Zahnersatz aus dem Ausland?

Zahnersatz wird im Ausland häufig günstiger hergestellt als in Deutschland. Die Qualität muss nicht schlechter sein als bei heimischen Produkten. Man sollte aber beachten, dass die große Entfernung zum Labor bei fehlerhaftem oder schlecht sitzendem Zahnersatz von Nachteil sein kann. Ortsansässige Zahntechniker können auf Probleme und Reklamationen schneller reagieren. Vor einer Behandlung sollten auf jeden Fall die Möglichkeit von Korrekturen und Nachsorge abgeklärt werden.

Weitere Informationen

Informationen im Verbraucherfenster

Durchblick bei den Zahnarztkosten, Teil 2: Den Heil- und Kostenplan entschlüsseln

Durchblick bei den Zahnarztkosten, Teil 3: Die Zahnarztrechnung verstehen

Durchblick bei den Zahnarztkosten, Teil 4: Sparen beim Zahnersatz im Inland

Beratungsangebote der Verbraucherzentrale Hessen

  • Telefonische Patientenberatung unter 09001 97 20 13, montags 10 bis 14 Uhr. 1,75 € pro Minute aus dem deutschen Festnetz; Mobilfunkpreise können abweichen.
  • Servicetelefon / Auskunft: (069) 97 20 10 - 900, Mo bis Do 10 - 16 Uhr, Fr 10 - 15 Uhr.
  • Homepage: www.verbraucher.de 

Verbraucherzentrale Hessen e. V., Große Friedberger Straße 13-17, 60313 Frankfurt am Main

Stand: Juni 2017