Zu viel Natrium in Brausetabletten

Untersuchungen von Brausetabletten zeigen, dass sowohl Medikamente als auch Nahrungsergänzungsmittel hohe Natriumkonzentrationen aufweisen können. Besonders Personen, die unter Bluthochdruck leiden, sollten deshalb möglichst auf andere Darreichungsformen (Tabletten, Kapseln, flüssige Präparate) zurückgreifen. Nahrungsergänzungsmittel sollten nur gezielt und bei einem nachgewiesenen Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen oder Spurenelementen eingenommen werden.

RS10478_Tablette loest sich in Wasserglas auf © Mikael Damkier - Fotolia.com_.jpg

Tablette löst sich in einem Glas Wasser auf

Natrium und Zufuhrempfehlungen

Zu hoher Salzkonsum ist bekanntlich eine der Ursachen für Bluthochdruck, der in der Folge zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen kann. Das im Kochsalz enthaltene Natrium ist für die Erhöhung des Blutdrucks verantwortlich. Gleichzeitig ist der Mineralstoff für unseren Körper essenziell und an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Unsere Versorgung mit Natrium erfolgt über die Nahrungsaufnahme.

Die Fachgesellschaften für Ernährung aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) empfehlen Jugendlichen (ab 15 Jahren) und Erwachsenen pro Tag mindestens 0,55 Gramm Natrium aufnehmen. Die American Heart Association gibt als Höchstgrenze für einen Erwachsenen eine tägliche Menge von maximal 1,5 Gramm Natrium an; die WHO empfiehlt höchstens 2 Gramm Natrium pro Tag.

Täglicher Salzkonsum aus Lebensmitteln

Salz ist in fast allen verarbeiteten Lebensmitteln enthalten, wie etwa in Wurst, Käse, Brot und Backwaren, in Fertignahrung, aber auch in Nachspeisen und sogar in Süßigkeiten. Schätzungsweise stammen 70 bis 75 Prozent des verbrauchten Salzes in Europa aus Produkten der Nahrungsmittelindustrie. Dadurch nehmen wir in der Regel eher zu viel Kochsalz und damit auch zu viel Natrium auf, da Natrium neben Chlorid der Hauptbestandteil von Kochsalz ist. Die von der WHO empfohlene Höchstmenge von 2 Gramm ist schon in 5 Gramm Salz (circa 1 Teelöffel) enthalten. Unüberlegtes oder gewohnheitsmäßiges Nachsalzen der Speisen erhöht die Zufuhr noch. Eine ­zusätzliche Aufnahme sollte deshalb möglichst bewusst vermieden werden.

Achtung: Brausetabletten können zusätzlich Natrium enthalten

Die Gefahr einer Natrium-Überdosierung sehen Forscher der Universität Dundee und des University College London bei der routinemäßigen Einnahme von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln, wie Vitaminpräparaten vor allem dann, wenn die Wirkstoffe in Form von Brausetabletten eingenommen werden. Den Brausetabletten werden nämlich meist Natriumcarbonate zugesetzt, damit sich die Wirkstoffe schneller im Wasser auflösen. In ihrer Studie warnen die Forscher vor dem hohen Natriumgehalt in Brausetabletten. Besonders große Mengen an Natrium sind demzufolge in einigen Schmerzmitteln enthalten.

26 Produkte im Test

Der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat daraufhin 26 Produkte, davon 20 Medikamente und 6 Nahrungsergänzungsmittel, auf ihren Gehalt an Natrium untersucht. Das Testergebnis zeigte erheb­liche Unterschiede bezüglich des Natriumgehaltes pro Brausetablette. Laut VKI lag der niedrigste Wert bei 0,07 Gramm (Calcium D-Sandoz). Die höchsten Natriumgehalte fanden sich im Bronchoverde Hustenlöser 50 mg. Hier stecken in einer Brausetablette 0,64 Gramm. Bereits mit der Ein­nahme einer einzigen Tablette wird also der tägliche Natrium-Mindest­bedarf von 0,55 Gramm überschritten. Nimmt man die maximal emp­fohlene Tagesdosis der American Heart Association von 1,5 Gramm Natrium an, deckt man mit einer Brausetablette bereits 43 Prozent dieser Menge ab, so der VKI. Nimmt man eine Tablette ein, sollte man also an diesem Tag den weiteren Salzkonsum einschränken.

Schmerz- und Fiebermittel

Bei den Schmerz- und Fiebermitteln fällt das Testergebnis noch bedenklicher aus. In diesen Medikamenten ist zwar weniger Natrium enthalten als im Bronchoverde-Produkt (bezogen auf eine ­Tablette), aber laut Gebrauchsinformation dürfen von diesen Präparaten zwischen vier und neun Stück am Tag aufgelöst werden. Wird die Maximaldosis eingenommen, dann wird laut Untersuchungsergebnis die maximale Natriummenge bei allen sechs Schmerzmitteln im Test erheblich über­schritten. Die höchsten Werte liefern dabei die Alka-Seltzer Brausetabletten, da von diesem Produkt bis zu neun Stück proTag ­genommen werden dürfen. Das bedeutet, das 2,7-fache des Natrium-Höchstwertes der American Heart Association.

Hohe Natriumkonzentrationen in Brausetabletten vermeiden

  • Brausetabletten: Weil Brausetabletten häufig viel Natrium enthalten, sollten Personen mit Bluthochdruck die Einnahme von Tabletten, Kapseln oder flüssigen Präparaten bevorzugen.

  • Medikamente: Vor allem Schmerz- und Fiebermittel in Form von Brausetabletten enthalten nachweislich hohe Konzentrationen an Natrium.

  • Nahrungsergänzungsmittel: Wer nicht an einer Unterversorgung mit Vita­minen, Mineralstoffen oder Spuren­elementen leidet und dennoch Nahrungsergänzungsmittel (NEM) zu sich nimmt, gefährdet möglicherweise seine Ge­sundheit. NEM sollten grundsätzlich nur auf ärztliche Empfehlung eingenommen werden.

Quelle: Verein für Konsumenteninformation / Konsument (9/2016)

Stand: September 2016 / Erhebungszeitraum Februar-März 2016

Testkriterien

Nach Angaben des Vereins für Konsumenteninformation wurde der Natriumgehalt der ausgewählten Präparate im Labor ermittelt. Die Brausetabletten bzw. Granulate in den Beuteln wurden gewogen und der Natriumgehalt im Labor gemessen. Die enthaltene Natriummenge pro Stück wurde anschließend rechnerisch ermittelt.
Als Referenzwerte wurden folgende Werte angenommen: Schätzwert der Ernährungsgesellschaften DACH für eine minimale Zufuhr 550 mg Na/Tag.

Empfohlene Tagesdosis 1,5 g der American Heart Assosiation.
Maximale Tagesdosis 2 g Na nach der WHO.
1 g Natrium entspricht 2,5g Kochsalz.

Folgende Produkte wurden getestet:
Die Angabe in Klammern enthält die aufgenommenen Prozent der Tageshöchstmenge* Natrium bei maximaler Dosierung.
(* Zugrunde gelegt ist die Empfehlung der American Heart Association von maximal 1,5 g Natrium pro Tag)

  • Medikamente:

Aspro Grippal 500 mg Brausetabletten (158 %)

Alka-Seltzer Brausetabletten (270 %)!

Ambroxol Aponva 60 mg Brausetabletten (26 %)

Aspirin akut 500 mg Brausetabletten (195 %)

Aspirin+C Brausetabletten (203 %)

Berocca plus Zink Brausetabletten (19 %)

Bronchoverde Husentlöser 50mg Brausetabletten (43 %)

Brufen 400 mg Brausegranulat (17 %)

Calcium D-Sandoz Brausetabletten (9 %)

Calcium Sandoz 500 mg Brausetabletten (17 %)

Cebion 1 g Blutorange Brausetbletten (16 %)

Ce-limo Orange Brausetabletten (20 %)

Husten ACC Hexal akut 600 mg Brausetabletten (9 %)

Magnesiocard Brausetabletten (19 %)

Mexalen rapid 500 mg Brausetabletten (132 %)

Mexavit C rathiopharm Brausetabletten (108 %)

Mucobene 600 mg lösbare Tabletten (11 %)

Normakut 2 mg Brausetabletten (37 %)

Prospan akut Brausetabletten (21 %)

Supradyn forte Orange Brausetabletten (17)

  • Nahrungsergänzungsmittel:

Abtei Magnesium Plus Brausetabletten (21 %)

das gesunde Plus Magnesium Brausetabletten (34 %)

Doppelherz Magnesium Brausetabletten (26 %)

fit + vital Magnesium Brausetabletten (19 %)

Kneipp Magnesium + Calcium Brausetabletten (15 %)

Schneekoppe Magnesium Brausetabletten (18 %)

Prozent der Tageshöchstmenge bei maximaler Dosierung.

Quelle: Verein für Konsumenteninformation / Konsument (9/2016)