Vegetarische Kinderernährung: gesund und machbar?

Veggie ist in! Klar, dass vegetarisch lebende Eltern auch ihre Kinder gerne fleischlos ernähren möchten. Doch geht das überhaupt, ist das gesund oder droht der Eisenmangel? Viele Fragen. Wir haben die Antworten.

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Junge Familie beim Essen

Vegetarische Ernährung von Geburt an

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist eine pesco- oder ovo-lacto-vegetarische Ernährung als langfristige Ernährungsform gesunder Personen geeignet. Dabei werden Eier und Milchprodukte sowie auch Fisch gegessen. Vorausgesetzt wird hierbei allerdings, dass durch eine alternative Lebensmittelauswahl die Nährstoffversorgung optimal gewährleistet werden kann.

In den ersten Lebensmonaten stellt die Muttermilch das Grundnahrungsmittel der Wahl dar. Denn diese ist optimal auf die Energie-und Nährstoffbedürfnisse des Säuglings abgestimmt. Nach fünf bis sieben Monaten beginnt in der Regel die erste Zufütterung durch Beikost. Statt dem Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei kommt z.B. während der Beikostfütterung ein Gemüse-Kartoffel-Getreide-Brei auf den Speiseplan. Durch eine sorgfältige Lebensmittelauswahl sowie Zubereitung der Speisen ist eine vegetarische Ernährung dann auch für alle weiteren Phasen der Kindheit geeignet.

Weitere Infos zur Beikost finden Sie auch in unserer Beikost-Datenbank.

Welche Nährstoffaufnahme kann bei der vegetarischen Kinderernährung kritisch werden?

Alle Kinder haben grundsätzlich einen relativ hohen Bedarf an Nahrungsenergie, bezogen auf ihr Körpergewicht. Außerdem benötigen Sie mehr Vitamin C, D und Kalzium als Erwachsene.

Bei vegetarisch lebenden Kindern kommt zusätzlich hinzu, dass ihnen durch die fleischfreie Ernährung mögliche Eisenlieferanten fehlen. Wird dann einseitig gegessen, besteht die Gefahr für einen Eisenmangel. Besonders bei Kleinkindern und Säuglingen kann dies zu Anämien, Verhaltensauffälligkeiten sowie Störungen der psychomotorischen Entwicklung  führen. Generell ist der Eisenmangel die häufigste Mangelerscheinung bei Kindern der westlichen Industrienationen.

Außerdem sollte, aufgrund des Meidens von Fleisch-und Fleischerzeugnissen, auf eine ausreichende Zinkzufuhr geachtet werden.

Einen Eiweißmangel gibt es in Deutschland so gut wie nicht. Mit einer pesco- oder ovo-lacto-vegetarischen Ernährung kann der Eiweißbedarf problemlos gedeckt werden.

Ernährungsempfehlungen für den vegetarischen Nachwuchs

Damit alle Nährstoffe ausreichend aufgenommen werden, sollte bei einer vegetarischen Kinderernährung auf die Zufuhr folgender Lebensmittel besonders geachtet werden:

  • Pflanzliche und tierische Lebensmittel verfügen über unterschiedliche Aminosäurekombinationen. Geschickt kombinierte Mahlzeiten können die Proteinqualität erhöhen, z.B.:
    • Getreide mit Milch/-produkten: Müsli,Käsebrot, Milchreis, Nudelauflauf
    • Getreide mit Ei: Grießbrei, Getreidebratlinge, Eierpfannkuchen
    • Getreide mit Hülsenfrüchten: Mais-Bohnen-Salat, Erbsensuppe mit Brot, Linsengemüse mit Spätzle
    • Kartoffeln mit Ei: Kartoffeln mit Spiegelei, Kartoffelauflauf, Bauernomelett
    • Kartoffeln mit Milch/-produkten: Kartoffelpüree, Kartoffelgratin, Ofenkartoffeln mit Kräuterquark
  • Eine ausreichende Aufnahme von Eisen ist auch bei einer fleischlosen Ernährung umsetzbar. Besonders gut eignen sich hier Amaranth, Quinoa, Haferflocken, Kürbiskerne, Sesam(mus), Feldsalat, Grünkohl, Schwarzwurzel, Spinat, Bohnen, Brombeeren oder Trockenfrüchte als Quelle. Da das Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln nicht so gut aufgenommen werden kann wie aus Tierischen, kann durch den gleichzeitigen Verzehr von Vitamin C-haltigen Fruchtsäften (ein Glas), Obst oder Salat die Eisenaufnahme zusätzlich verbessert werden. Bei Kleinkindern kann z.B. ein Schuss Orangensaft in den Hirsebrei gegeben werden. Vorsicht: In Kombination mit Milch- und Milchprodukte hemmt dies hingegen die Eisenaufnahme!
  • Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, sogenanntes „Soja-Fleisch“ Nüsse und Ölsamen eignen sich hervorragend als Zink-, Eisen- und Eiweißquellen.
  • Ovo-lacto-Vegetarier, welche keinen Fisch verzehren, können durch den Einsatz von Raps-oder Leinöl dennoch wertvolle Omega-3-Fettsäuren zu sich nehmen.
  • Unabhängig von der Ernährungsweise sollte zudem in den sonnenarmen Monaten (Oktober bis April) Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel oder angereicherte Lebensmittel zugeführt werden. In den sonnenreichen Monaten reicht bereits der 15-minütige Aufenthalt im Freien für die Bedarfsdeckung.
  • Um eine ausreichende Jodzufuhr gewährleisten zu können, sollte zudem jodiertes Speisesalz in der Küche Verwendung finden.

Dennoch: Vorsorgeuntersuchung sinnvoll!

Nichtsdestotrotz sollte man neben den üblichen Vorsorgeuntersuchungen, auch jährlich einmal die Eisen-, Zink-, Vitamin D- und Vitamin B12-Werte der Veggie-Kinder anhand von Blutuntersuchungen messen lassen. So kann man den Versorgungsstand möglicher problematischer Nährstoffe bei einer vegetarischen Ernährung im Auge behalten.

Stand: Juni 2017

Links:

Info: Verbraucherzentrale: Kinder und Essen: Tipps zum Speiseplan
Quelle: FitKid-aktion.de: Kann ein Säugling vegetarisch ernährt werden?
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Kinder vegetarisch ernähren – ja oder nein?
Quelle: Keller M (2012): Gut zu Wissen: 5 Fragen zur vegetarischen Ernährung von Kindern. Köstlich Vegetarisch 3/2012, S.33
Quelle: Schule plus Essen: Grundlagen der Kinderernährung

Formen des Vegetarismus

Ovo-Lacto-Vegetarier: nehmen pflanzliche Lebensmittel, Eier, Milch und Milchprodukte zu sich, jedoch keine Fisch, Fleisch oder Wurstwaren

Lacto-Vegetarier: nehmen pflanzliche Lebensmittel, Milch und Milchprodukte zu sich, jedoch keine Fisch, Fleisch, Wurstwaren oder Eier

Ovo-Vegetarier: nehmen pflanzliche Lebensmittel und Eier zu sich, jedoch keine Fisch, Fleisch, Wurstwaren oder Milch und Milchprodukte

Pesco-Vegetarier: nehmen pflanzliche Lebensmittel, Fisch, Eier, Milch und Milchprodukte zu sich, jedoch keine Fleisch und Wurstwaren

Veganer: nehmen pflanzliche Lebensmittel zu sich, jedoch keine Fisch, Eier, Fleisch, Wurstwaren oder Milch und Milchprodukte