Diabetes: Wissen Sie darüber Bescheid?

In Deutschland leiden laut Schätzungen über 7,6 Millionen Menschen (inkl. Dunkelziffer) an Diabetes. Stündlich sterben in der Bundesrepublik immer noch drei Menschen an der Erkrankung. Damit gehört Deutschland zu den zehn Ländern weltweit mit der höchsten absoluten Anzahl an Menschen mit Diabetes. Wie kommt es zu einer Diabeteserkrankung? Was sind die Folgen? Woran erkennt man Diabetes?

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Blutzuckermessung

Was ist überhaupt Diabetes mellitus?

Unter Diabetes mellitus versteht man die dauerhafte Erhöhung des Blutzuckers, welche mit einem Risiko für schwere Begleit-und Folgeerkrankungen einhergeht. Im Volksmund wird die Erkrankung auch gerne als „Zuckerkrankheit“ bezeichnet.

Grund für den hohen Blutzuckerspiegel ist ein Mangel des Blutzucker regulierenden Hormons Insulin: Es wird entweder zu wenig oder gar nicht mehr produziert. Je nachdem unterscheidet man zwei Arten von Diabetes-Erkrankungen:

Diabetes Typ 1
Beim Diabetes Typ 1 werden die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse durch das körpereigene Immunsystem zerstört. Man spricht von einer Autoimmunerkrankung. Folglich kann die Bauchspeicheldrüse den Körper nicht mehr ausreichend mit Insulin versorgen. Gründe dafür können unter anderem erbliche Veranlagungen sein. Bis heute sind aber noch nicht alle Einflüsse, welche für die Entstehung verantwortlich sind, erforscht.

Die Diabetes Typ 1-Form kann in jedem Lebensalter auftreten, allerdings ist die Neuerkrankungsrate zwischen dem zehnten und 15. Lebensjahr am höchsten. Etwa fünf Prozent der Diabetes-Patienten leiden an der Typ 1-Form.

Diabetes Typ 2
Anders als bei der Typ 1-Erkrankung handelt es sich beim Diabetes Typ 2 um eine Insulinresistenz. Dies bedeutet, dass die Zellen des Körpers nicht mehr ausreichend auf das Hormon anspringen und deshalb der Blutzuckerspiegel nicht sinkt. Das Hormon hat eigentlich die Aufgabe den Zucker aus dem Blut in die Zellen weiterzuleiten (s. graue Infobox).

Die Krankheit entwickelt sich schleichend und über Jahre hinweg. Bei rund 90 Prozent aller Diabetes-Erkrankungen handelt es sich um die Typ 2-Form. Neben genetischen Veranlagungen spielen bei der Entstehung der Typ 2- Form auch Risikofaktoren wie Übergewicht, wenig körperliche Bewegung, ungesunde, energiedichte, ballaststoffarme Ernährung, Rauchen, ein übermäßiger Alkoholkonsum und Stress eine Rolle.

Über die Hälfte der Typ 2-Patienten ist über 65 Jahre alt, deshalb wurde diese Diabetes-Form lange Zeit als Altersdiabetes betitelt. Allerdings erkranken mittlerweile auch immer jüngere Menschen. Gründe dafür sind unter anderem die Zunahme von Übergewicht und Adipositas.

Schwangerschaftsdiabetes
Während der Schwangerschaft kann Diabetes erstmals auftreten. Diese Diabetesform wird Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes genannt. Meist verschwindet die Erkrankung nach Ende der Schwangerschaft wieder. Allerdings ist das Risiko an einem Diabetes Typ 2 zu erkranken für Frauen, die während der Schwangerschaft bereist einen Diabetes aufwiesen, erhöht.

Was können mögliche Folgeerkrankungen von Diabetes sein?

Diabetes mellitus kann zahlreiche Folgeerkrankungen mit sich bringen. Deshalb ist es wichtig Diabetes rechtzeitig zu erkennen und möglichst gut zu behandeln. Mögliche Folge-und Begleiterscheinungen können sein:

  • Atherosklerose: Hohe Blutzuckerwerte fördern die Entstehung von verkalkten Gefäßinnenwänden. Dadurch werden die Gefäße enger und das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen der Beine steigt.
  • Schädigung der Netzhaut: Hohe Blutzuckerwerte beschädigen die kleinen Gefäße der Netzhaut. Dies kann bis zur Netzhautablösung und zum Erblinden führen. Netzhautschädigungen gehören zu den häufigsten Begleiterkrankungen des Diabetes.
  • Nierenerkrankungen: Auch die Nieren können aufgrund des hohen Blutzuckers Schaden nehmen. Folge ist, dass die Nieren ihren Aufgaben, wie das Filtern des Bluts, nicht mehr richtig nachkommen können. Schlimmstenfalls kann ein Nierenversagen drohen.
  • Nerven: Missempfindungen wie Taubheit, Kribbeln oder Ameisenlaufen in den Füßen, aber auch ein vermindertes Wahrnehmen von Temperaturunterschieden können mit einem über Jahre erhöhten Blutzucker einhergehen.
  • Diabetischer Fuß: Als besonders gefährdet für Begleiterkrankungen gelten die Füße. Bereits kleine Verletzungen können sich hier schnell zu Geschwüren entwickeln und sogar unter Umständen Amputationen notwendig machen. Grund dafür sind Nervenschäden und Durchblutungsstörungen.

Was sind die Symptome für eine Diabetes-Erkrankung?

Diabetes muss nicht immer mit Beschwerden einhergehen. Manche Patienten klagen auch über relativ unspezifische Anzeichen wie Antriebsarmut, Konzentrationsschwäche, Müdigkeit oder depressive Verstimmungen. Juckreiz, Infektionen, schlecht heilende Wunden, vermehrtes Durstgefühl, häufiges Wasserlassen, ein Gewichtsverlust, Sehstörungen oder trockene Haut können ebenfalls erste Symptome für einen Diabetes sein.

Wie wird Diabetes diagnostiziert?

Ob ein Diabetes vorliegt kann durch die Messung des Nüchternblutzucker-Wertes festgestellt werden. Also der Blutzuckerwert, welcher vorliegt, wenn in den acht bis 12 Stunden vor der Messung weder etwas gegessen, noch, bis auf Wasser, etwas getrunken wurde. Bei Gesunden liegt dieser Nüchternblutzucker-Wert unter 100 mg/dl. Nach dem Essen steigt der Blutzucker für gewöhnlich auf bis zu 140 mg/dl.

Steigt der Nüchternblutzucker-Wert auf über 125 mg/dl oder zu einem beliebigen Zeitpunkt, zum Beispiel nach einer Mahlzeit auf über 200 mg/dl, kann eine Diabetes-Erkrankung vorliegen.

Nüchternblutzuckerwerte zwischen 100 und 125 mg/dl können auf ein Vorstadium des Diabetes Typ 2 hinweisen: Ein sogenannter Prädiabetes.

Des Weiteren gibt es einen sogenannten Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c). Dieser gibt die durchschnittliche Blutzuckerkonzentration der letzten Monate wieder. Je höher der HbA1c-Wert, desto mehr Zucker ist im Blut gelöst. Der HbA1c wird in Prozent angegeben. Bei gesunden Menschen liegt dieser Wert zwischen vier und sechs Prozent, bei Diabetes-Patienten  über 6,5 Prozent.

Wie wird Diabetes behandelt?

Bei der Behandlung von Diabetes gibt es Unterschiede zwischen den beiden Diabetes-Typen. Während Diabetes Typ 1-Erkrankte ausschließlich mit Insulininjektionen behandelt werden, gibt es für Typ 2-Patienten verschiedene Möglichkeiten. Je nach Fortschritt der Krankheit gehören hier Lebensstilveränderungen wie mehr Bewegung, gesündere Ernährungsweise sowie Nichtrauchen zur Basistherapie. Des Weiteren können, sofern die Lebensstilveränderungen keine Wirkung zeigen, orale Diabetesmedikamente oder ebenfalls eine Insulintherapie über Injektionen zum Einsatz kommen.

Was kann ich tun, um nicht an Diabetes Typ 2 zu erkranken?

Das Risiko an einem Diabetes und den gefährlichen Folgeerscheinungen zu erkranken, kann vermindert werden, indem man auf seinen Lebensstil achtet und diesen im Zweifel ändert. Eine Checkliste fasst hierzu die wichtigsten Punkte zusammen:

  • Bauen Sie Übergewicht ab
  • Bewegen Sie sich täglich mindestens 30 Minuten so, dass Sie ins Schwitzen kommen
  • Achten Sie auf eine vollwertige gesunde Ernährung
  • Meiden Sie versteckte Fette, wie sie etwa in Wurst, Fleisch, Fast Food oder Fertiggerichten vorkommen
  • Meiden Sie Softdrinks und alkoholische Getränke
  • Stellen Sie das Rauchen ein
  • Achten Sie auf einen Blutdruck im Normalbereich
  • Schlafen Sie ausreichend und vermeiden Sie Stress

Stand: November 2017

Wie funktioniert das mit dem Insulin und dem Blutzucker?

Der Blutzuckerspiegel steigt mit der Mahlzeitenaufnahme an. Mit steigendem Blutzuckerspiegel steigt auch die Ausschüttung den Hormons Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Das Insulin sorgt für die Aufnahme des Zuckers in die Zellen, vergleichbar mit einem Schlüssel, der eine Tür aufschließt. Dadurch sinkt der Spiegel im Blut wieder. In den Zellen wird dann die aufgenommene Glukose zu Energie umgewandelt. Erreicht der Blutzuckerspiegel während des Sinkens eine gewisse Grenze, stoppt die Insulinausschüttung wieder.