Macht Zucker süchtig?

Jeder Deutsche verzehrt im Durchschnitt fast 100 Gramm Zucker pro Tag. Das ist doppelt so viel wie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung als Tageshöchstdosis angegeben wird. Fakt ist: Zucker braucht kein Mensch zum Leben. Doch er ist fast überall drin – beispielsweise in Cola und Limo, im Ketchup, in der Wurst und im sauer eingelegten Gemüse. Unser Verlangen nach Zucker scheint unersättlich zu sein. Sind wir schon zuckersüchtig?

Zuckerwürfel in Händen © New Africa - Fotolia.com_.jpg

Zuckerwürfel in Händen

Woher kommt die Gier nach Zucker?

Heidelberger Forscher haben herausgefunden, dass Zucker das „Belohnungssystem“ im Gehirn aktiviert. Das bedeutet, dass das Gehirn auf Zucker mit der Ausschüttung des „Glückshormons“ Dopamin reagiert. Ähnlich reagiert das Gehirn auf Suchtstoffe wie Alkohol und andere Drogen. Somit kann Zucker ein suchtähnliches Verhalten auslösen. Im Tierversuch konnte gezeigt werden, dass ein hoher Zuckerkonsum zu Veränderungen an den Synapsen (Verknüpfungen, über die Nervenzellen in Kontakt mit anderen Zellen stehen) führen kann. Auf diese Weise wird das Gehirn quasi auf Zuckerkonsum programmiert und kann nicht nur kurzfristiges sondern permanentes Verlangen auslösen. Die Wissenschaftler halten es zumindest für denkbar, dass diese im Tierversuch festgestellten Gehirnveränderungen auch beim Menschen auftreten können.

Von amerikanischen Wissenschaftlern wurde ebenfalls im Tierversuch festgestellt, dass bei Laborratten Zuckerkarenz zu Entzugserscheinungen wie Ängstlichkeit und Zähneklappern führte. Sobald die „Droge“ nach einer Pause wieder zur Verfügung gestellt wurde, fraßen die Ratten noch mehr Zucker als zuvor. Die Entzugserscheinungen, diese Gier sowie der steigende Zuckerkonsum wurden von den Forschern als Suchtkennzeichen interpretiert.

Ernährungsexperten zufolge sind diese Versuche jedoch nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragbar, zumal Zucker nicht direkt mit Drogen wie Alkohol, Nikotin oder Heroin vergleichbar ist. Aber ein Verhalten wie: „Ich muss jetzt unbedingt etwas Süßes essen!“ kann zumindest als Sucht-ähnlich bezeichnet werden. Dies insbesondere dann, wenn die Betroffenen nicht mit dem Zuckerkonsum aufhören können. Vor allem stark übergewichtige Personen haben oft ein diesbezüglich gestörtes Ernährungsverhalten.

Wie viel Zucker verträgt der Mensch?

Chemisch betrachtet ist der gewöhnliche Haushaltszucker oder weiße Zucker ein Disaccharid (=Zweifachzucker) namens Saccharose und gehört zu den Kohlenhydraten. Saccharose besteht aus den Monosacchariden (=Einfachzuckern) Glucose und Fructose. Saccharose wird von Pflanzen – beispielsweise Zuckerrüben –auf natürliche Weise gebildet. Die industrielle Zuckergewinnung erfolgt durch Raffination des Zuckerrübensaftes. Das Naturprodukt Zucker ist also zunächst einmal unverdächtig, gesundheitsschädlich zu sein.

Doch die Dosis macht das Gift. Ein dauerhaft hoher Zuckerkonsum kann erwiesenermaßen zu Übergewicht mit den damit verbundenen Spätfolgen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Warum ist das so?

Ein Gramm Saccharose beziehungsweise Zucker enthält rund vier Kilokalorien (kcal) Energie. Einhundert Gramm Zucker – das entspricht dem täglichen Durchschnittsverbrauch in Deutschland – enthalten somit 400 kcal. Der Kalorienbedarf von Erwachsenen ist abhängig von Geschlecht und körperlicher Aktivität. Er beträgt pro Tag zwischen 1.800 kcal (leichte Tätigkeit, Frauen) bis zu 3.500 kcal (intensive körperliche Tätigkeit, Männer). Somit decken 100 Gramm Zucker mit 400 kcal bereits zwischen 11 und 22 Prozent des täglichen Energiebedarfs von Erwachsenen.

Das hört sich zunächst nicht dramatisch an. Aber: Häufig wird Zucker nicht isoliert, sondern als Bestandteil von fetthaltigen Lebensmitteln wie Kuchen oder Schokolade verzehrt. Kein Wunder also, dass diese „Kalorienbomben“ aus Fett und Zucker zu Übergewicht führen können. Zudem enthalten viele Erfrischungsgetränke Zucker in großen Mengen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt daher, täglich nicht mehr als 50 Gramm Zucker zu sich zu nehmen. Also die Hälfte dessen, was derzeit tatsächlich im Durchschnitt verzehrt wird. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Wie kann man seinen Zuckerverbrauch reduzieren?

Zucker ist vor allem  in vielen Backwaren, Süßigkeiten, Fertig- und Halbfertigprodukten sowie in vielen Fertigsoßen, Konserven und Getränken enthalten. Wer seinen Zuckerkonsum im Griff behalten will, dem raten Fachleute dazu, den Verbrauch dieser Nahrungsmittel zu reduzieren. Besser noch: Verzichten Sie möglichst komplett auf diese Produkte.

Honig oder Rohr- beziehungsweise braunen Zucker zum Süßen zu verwenden bringt leider nichts, da diese chemisch und damit kalorisch nahezu identisch mit weißem Zucker sind. Verschiedene Süßstoffe haben wenig oder keine Kalorien und können im Rahmen einer Diät zur Gewichtsreduktion beitragen. „Speziell bei Erfrischungsgetränken können mit Süßstoff gesüßte Varianten eine Alternative sein, um hohen Zuckeraufnahmen über gesüßte Getränke vorzubeugen“, sagt dazu die Deutsche Gesellschaft für Ernährung.

Fazit

  • Zu viel Zucker gefährdet Ihre Gesundheit. Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden durch zu hohen Zuckerkonsum begünstigt.
  • Verzichten Sie nach Möglichkeit auf zuckerhaltige Backwaren und Kuchen, Süßigkeiten, Fertigprodukte, Fertigsoßen, zuckerhaltige Getränke.
  • Trinken Sie zum Durstlöschen Wasser oder zuckerfreien Tee. In Maßen sind auch mit Wasser verdünnte Fruchtsäfte zu empfehlen.
  • Im Rahmen von Diäten zur Gewichtsreduktion können Süßstoffe hilfreich sein um die Energieaufnahme zu reduzieren.

Stand: April 2018