Welche Getränke helfen bei Schlafstörungen, Brummschädel, Völlegefühl und Durchfall?

Ob Kater, Magendrücken oder Durchfall & Co. – gegen viele Beschwerden sollen Hausmittel helfen. Einigen Getränken und Milch werden heilende Kräfte nachgesagt. Doch was ist dran an den Behauptungen? Und sind diese Mittel sämtlich harmlos?

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Kräuterlikör

Schlafstörungen: Hilft warme Milch?

Milch enthält die Aminosäure Tryptophan, ein Eiweißbaustein, der vom Gehirn zur körpereigenen Herstellung des „Glückshormons“ Serotonin gebraucht wird. Serotonin wird auch zur Bildung des Schlafhormons Melatonin gebraucht. So könnte man vermuten, dass Tryptophan aus der Milch müde macht. Das gelingt Studien zufolge allerdings erst ab einer Menge von etwa einem Gramm Tryptophan, und ein Glas Milch enthält nur etwa 40 Milligramm dieser Aminosäure. Also müsste man große Mengen – etwa 25 Gläser - Milch trinken, um den gewünschten Effekt zu erzeugen. Selbst wenn das zu schaffen wäre, würde es garantiert nicht zu einem erholsamen Schlaf beitragen.

Wem allerdings warme Milch beim Einschlafen hilft, kann diese Gewohnheit selbstverständlich beibehalten. Schlaffördernde Substanzen in relevanter Menge enthält Milch in üblichen Trinkmengen jedoch nicht, die beruhigende Wirkung beruht schlicht auf dem psychologischen Effekt.

Brummschädel: Hilft Bier gegen „Kater“?

Das „Konterbier“ am Morgen soll den „Kater“ lindern, wird häufig behauptet. Das stimmt aber nur in der Theorie. Hintergrund: Der Kopfschmerz setzt ein, wenn der Alkoholspiegel im Blut nach der Party sinkt und ist am heftigsten, wenn der Pegel wieder auf null gesunken ist.

Warum ist das so? Neben dem Trinkalkohol Ethanol enthalten alkoholische Getränke in geringen Mengen auch Methanol (Fuselalkohol). Beim Abbau von Ethanol und Methanol entstehen verschiedene Stoffwechselprodukte wie Acetaldehyd, Ameisensäure und Formaldehyd, die unter anderem für den „Kater“ verantwortlich sind. Der Körper baut mithilfe eines Verdauungs-Enzyms, das auch zum Abbau von Methanol benötigt wird, jedoch bevorzugt Ethanol ab. Für den Fuselalkohol bleibt somit  nicht genug von dem Enzym übrig, so dass er sich zunächst anreichert. Würde man morgens nach der Party beispielsweise ein Bier trinken, würde der Methanolabbau durch den Nachschub an Trinkalkohol so lange hinausgezögert, bis der Körper Methanol quasi „unverdaut“ über den Urin und die Atemluft ausscheidet. So ließe sich zwar der Schmerz theoretisch hinauszögern, aber weder verhindern noch reduzieren. Das so genannte „Konterbier“ hilft also nicht wirklich und ist außerdem aus gesundheitlichen Gründen abzulehnen, da es die Alkoholbelastung von Leber und Gehirn nur weiter erhöht.

Völlegefühl: Ist Schnaps gut für die Verdauung?

A propos Alkohol: Wenn man zu schwer oder zu viel gegessen hat, hilft angeblich ein Schnaps oder ein Magenbitter gegen das entstandene Völlegefühl. Doch der Schein trügt. Zwar entspannt Alkohol kurzzeitig die Magenmuskulatur und sorgt so für eine vorübergehende Linderung. Aber damit wird das Problem eher verstärkt, denn die Pumpaktivität des Magens wird dadurch gleichfalls behindert. Und somit verbleibt der Mageninhalt länger an Ort und Stelle, so dass die Verdauung letztlich verzögert statt erleichtert wird. Die dem Magenbitter zugeschriebene Wirkung soll auf der verdauungsfördernden Wirkung der darin enthaltenen Bitterstoffe beruhen. Zwar können Bitterstoffe die Fettverdauung und die Magenbewegung ankurbeln, aber der im Kräuterschnaps enthaltene Alkohol macht die mögliche Wirkung wieder zunichte. Besser ist es daher, einen Kaffee oder Espresso nach dem Essen zu trinken. Zusammen mit dem Koffein fördern die Bitterstoffe des Kaffees die Durchblutung und die Aktivität des gesamten Verdauungssystems. Bewährt hat sich auch, nach einem opulenten Mahl eine Runde spazieren zu gehen, denn Bewegung fördert in jedem Fall die Verdauung.

Durchfall: Helfen Cola und Salzstangen?

Ob Viren (Norovirus, Rotavirus), Bakterien (Salmonellen, Campylobacter), Medikamente oder Stress - Durchfall kann viele Ursachen haben. Wenn die Beschwerden nicht nach zwei oder drei Tagen von selbst nachlassen, Fieber hinzukommt und/oder Blut im Stuhl auftritt, dann sollte in jedem Fall ein Arzt die Ursache abklären.

Wichtig bei Durchfall ist immer der Ersatz von Flüssigkeit und Mineralstoffen. Dafür ist die Mixtur aus Cola und Salzstangen jedoch nicht geeignet. Der Zuckergehalt in Cola ist viel zu hoch und kann den Durchfall eher verstärken. Das an Salzstangen haftende Kochsalz (Natriumchlorid) lässt sich zum einen nicht kontrolliert dosieren und kann zudem alleine den Mineralstoffverlust nicht ausgleichen, da beispielsweise benötigtes Kalium auf diese Weise nicht ersetzt wird. Besser ist daher die Einnahme einer in Apotheken erhältlichen Trinklösung mit bilanzierten Elektrolyten und Glucose. Glucose in richtiger Dosierung unterstützt dabei die Aufnahme der Elektrolyte im Darm.

Stand: Dezember 2018