Schwankt die Gefühlswelt, schwankt das Gewicht

Viele kennen das Problem: Man fühlt sich niedergeschlagen, ist traurig oder frustriert und greift automatisch nach Süßigkeiten und Snacks oder langt beim Essen kräftig zu. Das rächt sich spätestens beim Blick auf die Waage. Warum isst man, wenn das Gemüts-Barometer fällt? Wie kann man der „Fress-Falle“ entgehen? Und kann man gute Laune „essen“?

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Frau isst Schokolade

Gewichtszunahme und Übergewicht können Anzeichen einer überlasteten Psyche oder sogar einer Depression sein. Wiederkehrende Fressanfälle, einhergehend mit Kontrollverlust, sind ein Risikofaktor für Übergewicht. Auch wer negative Gefühle mit Essen zu bekämpfen versucht, entwickelt eher Übergewicht. Davon Betroffene befinden sich häufig in einer Art Teufelskreis: Einer Studie zufolge fühlen sich übergewichtige Personen rund dreimal pro Tag aufgrund ihres Aussehens stigmatisiert. Das wiederum drückt auf die Stimmung und führt zu einem schlechten Selbstwertgefühl, das man mit Naschen und gesteigerter Nahrungsaufnahme zu bekämpfen versucht.

Gibt es Wege aus der „Futter-Falle“?

Wer folgende Tipps beherzigt hat gute Chancen, den beschriebenen Teufelskreis zu durchbrechen:

  • Nahrung nicht als Trostmittel betrachten – lieber Sport treiben, idealerweise an der frischen Luft! Die dabei ausgeschütteten Endorphine erzeugen Glücksgefühle und vertreiben trübe Gedanken.
  • Nicht essen, wenn man keinen Hunger hat.
  • Langsam und bewusst essen. Dadurch tritt das Sättigungsgefühl früher ein.
  • Kleinere Portionen auf den Teller geben und - wenn alles verzehrt ist - nicht nachlegen
  • Keine Crash-Diäten machen, denn sehr oft kehrt das kurzfristig verlorene Körpergewicht schnell zurück („Jo-Jo-Effekt“). Das ist weder gut für die Psyche noch für den Körper.
  • Besser: In kleinen Schritten die Essgewohnheiten umstellen, Gewicht langsam reduzieren, Rückfälle ohne Schuldgefühle akzeptieren und daraus lernen.

Wenn die Stimmung auf den Magen schlägt

Manchmal vergeht einem aber auch der Appetit, wenn psychische Belastungen wie Ärger im Job oder Beziehungsprobleme die Stimmung verhageln. Damit kann das Verlangen, Nahrung und/oder Flüssigkeit zu sich zu nehmen, vorübergehend ausbleiben. Zu erheblichen Gewichtsschwankungen kommt es dadurch in aller Regel nicht. Wenn die Appetitlosigkeit aber über längere Zeit bestehen bleibt und zu stärkerem Gewichtsverlust führt, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, denn es könnte eine ernste körperliche oder psychische Erkrankung dahinter stecken.

Kann man gute Laune „essen“?

Ernährungsforscher und Psychologen vermuten es seit längerem und eine 2015 begonnene europaweite Studie mit über 1.000 Teilnehmern (davon 277 aus Deutschland) soll nun wissenschaftlich belegen, dass bestimmte Nährstoffe positiv auf die Psyche wirken und das Depressionsrisiko bei Übergewichtigen mindern. Wie genau das funktioniert, welche Stoffe welche Mechanismen im Gehirn und wie in Gang setzen, hoffen die Forscher bald klären zu können.

Bereits aus der Volksmedizin ist indes der Spruch: „Sauer macht lustig“ bekannt. Was steckt dahinter? Saures Obst – als ganze Frucht oder als Saft genossen - löscht nicht nur den Durst, sondern belebt die Sinne und den Kreislauf. Ähnliches kann für scharfe Speisen gelten: Das beispielsweise in Chili-Gewürzen enthaltene Capsaicin sorgt dafür, dass über den Schärfe-Reiz auf der Zunge Endorphine im Gehirn freigesetzt und somit Glücksgefühle erzeugt werden.

Auch von Kohlenhydrat- und fettreichen Lebensmitteln wie Schokolade geht ein stimmungsaufhellender Effekt aus. Dieser beruht auf der körpereigenen Produktion des Botenstoffs („Glückshormon“) Serotonin, das im Gehirn - zeitlich begrenzt - für gute Laune sorgt. Doch Vorsicht: Wer oft beziehungsweise zu viel davon isst, landet schnell im oben beschriebenen Teufelskreis.

Genussmittel wie Kaffee oder Tee enthalten Koffein, welches indirekt über biochemische Prozesse das zentrale Nervensystem anregt, aber auch Blutgefäße erweitert und die Muskelaktivität erhöht.

Stand: Oktober 2018