Mogelpackung Müsli – Zuckerfallen in Cornflakes und Co.

Das Angebot an Cornflakes und Getreide-Mischungen im Supermarkt ist groß. Eine gute Wahl zu treffen, fällt vielen Verbrauchern schwer. Worin unterscheiden sich Cornflakes, Flocken und Müsli? Ist im Light-Produkt wirklich weniger Zucker enthalten und warum ist bei Angeboten für Kinder besondere Vorsicht geboten? Wir haben die Antworten und zeigen, wie sich für wenig Geld das individuelle Müsli ohne unerwünschte Zusätze mischen lässt.

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Unterschiedliche Müslipackungen liegen auf einem Tisch

Müsli

Ein Müsli besteht aus mindestens einem Vollkorngetreideprodukt beispielsweise Vollkornflocken und mindestens einer Komponente, die nicht zu den Getreiden zählt wie Nüsse, Honig oder Früchte. Auch wenn bei der Zubereitung weitere Zutaten wie Milch oder Joghurt hinzugefügt werden, ist von Müsli die Rede.

Frühstückscerealien, Flakes und Flocken

Frühstückscerealien, Cornflakes und Flocken werden im alltäglichen Sprachgebrauch oft synonym verwendet. Unter traditionellen Cerealien versteht man alle geformten und knusprigen Flakes. Sie werden aus Getreidekörnern beispielsweise vom Weizen, Mais, Hafer oder Hirse hergestellt. Cornflakes sind Flakes die aus Mais hergestellt werden (englisch „corn“ = Mais). Inzwischen gibt es auch Müsli aus Pseudogetreiden. Dabei handelt es sich um Körnerfrüchte, die in ihren Eigenschaften den Cerealien zwar sehr ähnlich sind, jedoch anderen Pflanzenfamilien zugehören wie zum Beispiel Amaranth, Quinoa, Hanf oder Buchweizen.

Sie alle kennzeichnet jeweils ein besonderes Herstellungsverfahren. So können die Flakes zu Ringen, Sternen oder Kissen geformt, gepufft oder geschreddert, geschichtet oder gefüllt sein, in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen angeboten oder mit weiteren Zutaten wie Zimt, Honig oder Schokolade überzogen werden.

Hafer-, Dinkel- oder Reisflocken gehören streng genommen nicht in die Familie der Frühstückscerealien, sondern in die der Flocken. Auch sie werden im Alltag aber unter dem Begriff Müsli zusammengefasst.

Vorsicht bei „knusprig“und „crunchy“

Damit Flakes im Müsli möglichst lange knusprig bleiben, werden sie im Herstellungsprozess mit Zucker überzogen. Die Zuckerschicht hilft, dass die Flakes weniger schnell Milch oder Flüssigkeit aus Früchten und Joghurt aufnehmen und ihre knusprige Konsistenz bewahren. Gerade bei Kindern sind Cornflakes, die beim Zerbeißen knuspern, besonders beliebt. Auf vielen Fertig-Müsli-Packungen wird diese Eigenschaft daher mit „crunchy“, „knackig“ oder „knusprig“ hervorgehoben. Oft sind Cornflakes für Kinder besonders zuckerhaltig und locken darüber hinaus mit bunten Farben oder besonderen Formen.  

Zucker und seine Geschwister

Viele wissen beim Einkauf, dass zu viel Zucker in der Ernährung nicht gesundheitsförderlich ist und möchten daher auf Zuckerzusätze verzichten. Süßende Zutaten, die eine natürliche Süße vermitteln wie beispielsweise Fruchtsüßen oder Sirupe werden jedoch häufig als gesünder eingestuft und entsprechende Produkte bevorzugt. Fakt ist aber, dass es sich auch bei diesen Zusätzen um Zucker handelt.

Ein Blick in das Zutatenverzeichnis kann oft schon Klarheit schaffen. Für das Zutatenverzeichnis ist vorgesehen, dass alle Zutaten in der Reihenfolge ihres Gewichtsanteils gelistet werden. Viele Hersteller nutzen jedoch unterschiedliche Zuckerarten, die einzeln betrachtet kleinere Gewichtsteile ausmachen und somit in der Zutatenliste weiter nach hinten rücken. Zum einen werden diese nicht immer direkt als Zucker erkannt, zum anderen können die verschiedenen Zuckerarten auf den ersten Blick darüber hinwegtäuschen, wie viel Zucker tatsächlich insgesamt im Produkt steckt.

Dem knusprig gepufften Weizen kann beispielsweise neben Zucker auch Glucosesirup, Honig, Dextrose, Fructose, Agavendicksaft oder Karamellsirup zugesetzt sein. Bei all diesen Zutaten handelt es sich um Zuckerarten. So kommen auf hundert Gramm Cornflakes häufig über vierzig Gramm Zucker. Das heißt, dass fast die Hälfte einer Portion Cornflakes aus Zucker bestehen kann. Bei einer normalen Verzehrsportion kommen dann leicht vier Stück Würfelzucker zusammen. Auch weiteren Bestandteilen der Müsli-Mischung wie beispielsweise Schokoladenstückchen oder Cranberries kann im Herstellungsprozess Zucker zugesetzt worden sein. Ist das der Fall, versteckt sich diese Angabe hinter der jeweiligen Zutat in Klammern - zum Beispiel Cranberries (55 Prozent getrocknete Cranberries, Zucker, Citronensäure).

Light-Varianten

Die Nachfrage nach zuckerreduzierten oder zuckerfreien Alternativen steigt an. Die Hersteller reagieren auf diese Nachfrage mit vielfältigen Produkten im Light-Sortiment. Weil die Zutatenliste oft unübersichtlich ist, lohnt dabei außerdem ein Blick auf die Nährwerttabelle. Sie findet sich oft seitlich oder auf der Rückseite der Verpackung unter der Überschrift Nährwertinformation.

Der tatsächliche Zuckergehalt des Produktes verbirgt sich in der Rubrik Kohlenhydrate unter der Angabe „davon Zucker“. Gemeint ist hierbei sowohl der Zucker, der natürlicherweise im Produkt enthalten ist als auch der Zucker, der bei der Herstellung hinzugefügt wurde. Eine Unterstützung bei der Wahl eines gesundheitsförderlichen Produktes bietet auch der Nutri-Score auf der Produktvorderseite. Diese neue Kennzeichnung teilt Lebensmittel entsprechend der Ampelfarben ein, gibt Orientierung und hilft auf diese Weise dabei, Produkte auf einen Blick zu vergleichen.

Zuckerarm, zuckerreduziert, ohne Zuckerzusatz

Zuckerarme Produkte enthalten maximal fünf Gramm Zucker pro hundert Gramm des Produktes. Bei zuckerreduzierten Produkten muss der Gehalt an Zuckern wie Furcht-, Trauben- oder Haushaltszucker gegenüber vergleichbaren Produkten um mindestens dreißig Prozent reduziert sein. Findet sich die Angabe „ohne Zuckerzusatz“ auf dem Produkt, dürfen dem Lebensmittel weder Zucker noch andere süßende Lebensmittel wie Honig oder Fruchtsirup hinzugefügt worden sein. Handelt sich um ein Produkt, das von Natur aus Zucker enthält, weil beispielsweise Trockenfrüchten enthalten sind, muss das extra gekennzeichnet werden.

Obst für die natürliche Süße

Wer es gerne süß mag, greift beim Müsli am besten zum Obst. Je kleiner das Obst geschnitten wird, desto süßer schmeckt es im Müsli. Über die Zugabe von Obst kann die individuelle Mischung also auch ohne gezuckerte Flakes nach eigenem Geschmack gesüßt werden. Für eine natürliche Süße sorgen beispielsweise Banane, Trauben oder Äpfel, die mit der Gabel zerdrückt oder mit der Reibe gerieben nicht nur gut schmecken, sondern auch für die Extra-Portion Vitamine sorgen. Auch Trockenfrüchte wie Rosinen sind sehr beliebt und können das Müsli ergänzen.

Die Mischung macht’s!

Wer bei der Getreidebasis auf zugesetzten Zucker und andere Zusätze verzichten möchte, mischt sein Müsli am besten selbst oder greift auf vorgemischte Korn- oder Flocken-Mischungen, zurück. Die gibt es bereits ab 70 Cent pro fünfhundert Gramm im Lebensmitteleinzelhandel, Drogeriemarkt und Supermarkt. Eine 5-Korn-Mischung kann beispielsweise aus ganzen oder geschroteten Getreidekörnern aus Weizen, Gerste, Hafer, Roggen und Dinkel zusammengesetzt sein und eignet sich für die Zubereitung von Frischkornbrei oder Müsli. Wer es gerne weniger kernig mag, greift zur Korn-Flocken-Mischung. Diese Mischungen bestehen aus geflocktem (Vollkorn-) Getreide und kommen ebenfalls ohne zugesetzten Zucker aus. Nach Belieben vorgemischt und in einem großen Weckglas aufbewahrt stehen sie morgens bereit, sodass portionsweise Müsli entnommen werden kann.

Körner und Flocken aus der Region

Weil die Getreide in unseren Regionen wachsen und das ganze Jahr über verfügbar sind, ist ein Müsli auf Korn- oder Flockenbasis direkt auch ein kleiner Beitrag für den Umwelt- und Klimaschutz. Die nährstoffreiche Getreidebasis erreicht über kurze Transportwege den Handel, was zu geringeren Emissionen von CO2 führt. Gleichzeitig kann über diesen Weg die regionale Produktion und Wertschöpfung unterstützt werden – da schmeckt das Müsli gleich noch einmal so gut!

Und wenn einmal etwas übrigbleibt?

Wenn der Appetit auf Müsli weniger groß ist, eignen sich Korn-Mischungen ganz oder geschrotet wunderbar gekocht als Beilage in Suppen, in Salaten oder frisch gemahlen als Zutat für Brot oder Gebäck. Auch die Flocken können in der Resteküche kreativ eingesetzt werden. Einige Minuten eingeweicht lassen sie sich mit Mehl und Salz zu einem leckeren Brot oder knusprigen Bratlingen verarbeiten und auch in Kuchen oder kernigen Keksen finden sie eine alternative Verwendung. (Kup)

Stand: Januar 2022

Frischkornbrei

Ein Frischkornbrei wird am Vortag angesetzt, damit die Körner fünf bis zwölf Stunden lang quellen können. So werden sie bekömmlicher. Der Brei lässt sich in einem leeren Schraub- oder Marmeladenglas auch gut für den Verzehr unterwegs mitnehmen.

Zutaten (eine Portion): 3-4 EL Getreidekörner, zum Beispiel Weizen, Hafer, Roggen, Amaranth, Gerste, Hirse oder Emmer (ganz nach Geschmack einzeln oder gemischt), 1 Apfel, 2 EL Joghurt

Getreidekörner in der Getreidemühle grob schroten. Wer keine Getreidemühle hat, kann die Getreidekörner in vielen Supermärkten schroten lassen, die Kaffeemühle oder einen Smoothie-Mixer nutzen. Die gemahlenen Getreidekörner in einer Schale mit Wasser übergießen bis alles bedeckt ist und über Nacht (bis zu zwölf Stunden) einweichen lassen. Einen Spritzer Zitronensaft und nach Belieben Obst, beispielsweise einen geriebenen Apfel, und Joghurt hinzugeben. Alles gut durchmischen.