Macht abends essen dick und trocknet Kaffee den Körper aus?

Diese und andere Ernährungsmythen halten sich oft hartnäckig, auch wenn manche davon nachweislich nicht stimmen. Viele Behauptungen basieren auf angeblichen Erfahrungen und entpuppen sich bei näherer Betrachtung als Zufallsbefund oder gar als Einbildung. Andererseits ist an dem einen oder anderem Mythos mehr dran als nur ein Körnchen Wahrheit.

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Espresso mit Glas Wasser

Macht abends essen tatsächlich dick?

Für gesunde, normalgewichtige Personen ist es völlig unerheblich, ob sie die Hauptmahlzeit am Abend oder zu einer anderen Tageszeit einnehmen. Bedeutsam für eine eventuelle Gewichtszunahme ist die Energiezufuhr und nicht die Tageszeit: Werden mehr Kalorien aufgenommen, als der Körper beispielsweise durch Bewegung verbraucht, nimmt man zu. Da aber einigen Menschen der Verzicht auf eine Abendmahlzeit vergleichsweise leicht fällt, ist es für diese Personen einen Versuch wert, auf diese Weise Gewicht zu verlieren.

Darf Spinat nicht aufgewärmt werden?

Das kommt darauf an. Zu Zeiten als es noch keine Kühlschränke gab, kühlten Lebensmittel sehr langsam ab und wurden längere Zeit bei Zimmertemperatur aufbewahrt. Spinat enthält ungefährliches Nitrat, das durch bakterielle Stoffwechselprozesse bei mittleren Raumtemperaturen in giftiges Nitrit umgewandelt wird. Dies kann verhindert werden, indem Spinat unmittelbar nach der Zubereitung (für maximal einen Tag) in den Kühlschrank gestellt wird. Beim Wiederaufwärmen sollte das Gemüse auf mindestens 70 Grad Celsius erhitzt werden. Damit werden eventuelle Keime abgetötet. Der erwärmte Spinat sollte vollständig verzehrt und nicht ein zweites Mal aufgewärmt werden, eventuelle Speisereste sind zu entsorgen. Werden diese Verhaltensweisen beachtet, spricht nichts gegen das einmalige Erwärmen von Spinat.

Trocknet Kaffee unseren Körper aus?

Dieser Mythos gilt inzwischen als widerlegt. Studien haben gezeigt, dass selbst bei hohem Kaffeekonsum die Nierentätigkeit - und damit die Harnbildung - nur geringfügig ansteigt und die Wirkung von Koffein den Wasserhaushalt des Körpers kaum beeinflusst. Bei geringem bis moderatem Kaffeekonsum (bis sechs Tassen Kaffee pro Tag) sind also die Befürchtungen eines Flüssigkeitsverlustes grundlos. Im Gegenteil: In üblichen Mengen getrunkener Kaffee kann durchaus positiv zur Flüssigkeitsbilanz beitragen.

Weshalb aber wird dann zu einem Espresso oft ein Glas Wasser serviert? Dies hat einen einfachen Grund: Ein Schluck Wasser zwischendurch neutralisiert den Kaffeegeschmack, so dass die Geschmacksknospen erneut aufnahmebereit für das Kaffee-Aroma sind. Selbstverständlich leistet auch das Glas Wasser zum Kaffee seinen Beitrag zum Flüssigkeitsbedarf von etwa zweieinhalb Litern täglich, notwendig ist es jedoch nicht.

Ist dunkles Brot gesünder?

Aus Vollkornmehl gebackenes und damit dunkleres Brot ist ernährungsphysiologisch wertvoller als helles in dem Sinne, dass die Sättigungswirkung und die Nährstoffgehalte höher sind als bei Weißmehlprodukten. Aber da auch ein Brot aus Weißmehl beispielsweise durch Malzextrakt dunkler gefärbt sein kann, lässt sich nicht automatisch von der dunklen Farbe eines Brotes auf den Wert für die Gesundheit schließen. Wer sicher gehen will, ein Vollkornerzeugnis zu erwerben, sollte in der Bäckerei beim Verkaufspersonal gezielt danach verlangen und im Supermarkt einen Blick ins Zutatenverzeichnis auf der Verpackung werfen.

Die Vitamine bei Obst und Gemüse sind vor allem in der Schale – stimmt das?

Bei Gemüse und Ost befinden sich tatsächlich die meisten Vitamine, aber auch viele andere wertvolle Inhaltsstoffe wie Antioxidantien und andere sekundäre Pflanzenstoffe in oder unmittelbar unter der Schale. Deshalb sollten Obst und Gemüse bevorzugt mit Schale zubereitet und verzehrt werden. Vorsicht bei Kartoffeln: In deren Schale befindet sich das giftige Solanin. Kartoffeln sollten mit Schale gekocht und vor dem Verzehr geschält werden. Damit hält sich der Vitamin- und Mineralstoffverlust in Grenzen.

Zwar befinden sich möglicherweise auch Pflanzenschutzmittel auf Obst- und Gemüseschalen, jedoch überwiegt der gesundheitliche Vorteil der Vitamine und anderer Inhaltsstoffe gegenüber einer möglichen Gefährdung durch die Spritzmittel.

Stand: März 2019