Können Nahrungsergänzungsmittel vor Viren schützen und Infektionen heilen?

Über das Coronavirus kursieren im Internet viele Gerüchte, zum Beispiel über Heilung versprechende Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel. Oft stecken windige Geschäftemacher dahinter oder einfach Wichtigtuer. Die Welt wäre erleichtert, wenn sich COVID-19 so einfach behandeln ließe. Wir räumen mit den Behauptungen auf.

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Teller mit Pillen, Tabletten, Tomatenscheiben und Salatblatt

Das Wichtigste zuerst

Das Internet ist aktuell voll von solchen Informationen: Knoblauch, Heilwasser, Kurkuma, Kokosöl, Thymian-Tee, Sauerkraut oder Granatapfel sollen angeblich vor Sars-CoV-2 schützen oder sogar eine Infektion mit dem Virus heilen, die Zufuhr von Gluten hingegen den Körper anfälliger für Viren machen. Auch einige Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln werben damit, dass durch die Einnahme ihrer Produkte Viren abgewehrt werden können.

Solche Behauptungen sind allerdings leider nichts weiter, als genau das! Das aktuell grassierende Corona-Virus ist noch neu und es gibt derzeit keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass bestimmte Pflanzen, Lebensmittel, Vitamine oder Mineralstoffe als wirksame Mittel gegen das Virus eingesetzt werden können.

Ganz abgesehen davon, dürfen Nahrungsergänzungsmittel nicht dazu dienen, Erkrankungen zu heilen oder zu behandeln.

Werbeaussagen für Lebens- oder Nahrungsergänzungsmittel, die sich auf die Gesundheit beziehen, aber nicht nachgewiesen und explizit zugelassen worden sind, wie zum Beispiel die vermeintliche Wirkung gegen Viren oder bei Covid-19, sind in der EU verboten.

Finger weg von Chemikalien

Neben den als Heilmittel angepriesenen Lebensmitteln, finden sich auch nicht gerade ungefährliche „Tipps“ gegen das Coronavirus im Netz, zum Beispiel die Verwendung von Chemikalien wie Chlordioxidlösung (CDL). Dabei handelt es sich um ein Desinfektionsmittel, das zum Bleichen von Textilien verwendet wird. Die Einnahme ist gesundheitsschädlich und deshalb ist von solchen Experimenten dringend abzuraten!

CBD-Öl, Biestmilch oder Vitalpilze – keinerlei wissenschaftliche Belege

Sogenannte Biestmilch, also die Erstmilch von Kühen, oder Vitalpilze werden ebenfalls als wahre „Immunbomben“ angepriesen. Doch Vorsicht! Wissenschaftliche Belege zu diesen Werbebotschaften fehlen auch hier! Besonders die Wirksamkeit von Biestmilch auf Erkrankungen der Atemwege ist nur schwer nachzuvollziehen. Die in der Erstmilch enthaltenen Antikörper werden nämlich im Darm nicht aufgenommen und können folglich auch nicht in die Lunge gelangen.

CBD-Öl ist eigentlich weder als Lebens- noch als Nahrungsergänzungsmittel erlaubt,, doch die Gerüchteküche brodelt auch hier! So heißt es zum Beispiel CBD würde das Immunsystem fördern und könne so bei der Behandlung und Prävention von Viruserkrankungen unterstützen. Wissenschaftliche Studien und Beweise? Fehlanzeige!

Schutz vor dem Virus: Händewaschen und Abstand halten

Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es weder einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2, noch Medikamente, die unmittelbar auf die Behandlung einer Infektion mit dem Virus zugeschnitten sind.

Sinnvolle Maßnahmen, die vor einer Infektion mit dem Virus schützen können, sind nach wie vor regelmäßiges Händewaschen mit Seife für mindestens 20 Sekunden, Abstandhalten zu anderen Personen (mindestens 1,5 bis 2 Meter) und Sozialkontakte weitgehend zu vermeiden – insbesondere Händeschütteln und Umarmungen. Bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Einkaufen ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes angeraten.

Wohnräume und Aufenthaltsräume sollten mehrmals täglich gelüftet und das Gesicht, insbesondere Augen, Nase und Mund sollten, so gut es geht, nicht mit den Fingern berührt werden.

Abwehrkräfte stärken gegen das Coronavirus

Bei einer Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus kann aktuell nur das körpereigene Immunsystem etwas ausrichten. Um dies zu unterstützen und gut auf eine Infektion vorbereitet zu sein, sind Bewegung an der frischen Luft, einige Sonnenstrahlen auf der Haut um die körpereigene Vitamin D-Produktion anzukurbeln (Sonnenschutz verwenden! Siehe hierzu auch Infos im Link!) und eine ausgewogene Ernährung unerlässlich.

Studien deuten darauf hin, dass viele Vitamine und Mineralstoffe das Immunsystem beeinflussen und zu einer normalen Funktion der Abwehrkräfte beitragen können, so zum Beispiel Vitamin C, Vitamin D, Folat, Vitamin A, Vitamin B12, Selen, Eisen und Zink.

Diese Nährstoffe finden sich in einer Vielzahl von Lebensmitteln, zum Beispiel Vitamin D in fettem Seefisch, Vitamin C in Kartoffeln und Paprika, Folat in Spinat, Feldsalat oder Grünkohl, Vitamin A in Karotten, Tomaten oder Weizen, Vitamin B12 in Putenfleisch oder Milch, Selen bereits in zwei bis drei Paranüssen, Eisen in Roter Bete und Hülsenfrüchten oder Zink in Fisch und Haferflocken. Gut kombiniert und abwechslungsreich zubereitet, erhält der Körper so alle notwendigen Nährstoffe, die er für ein funktionierendes Immunsystem benötigt.

Nur in seltenen Fällen sind Nahrungsergänzungsmittel tatsächlich nötig, etwa die Gabe von Vitamin B12 bei Vegetariern oder Veganern oder Vitamin D in den sonnenarmen Monaten zwischen Oktober und April. Generell sollte die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln immer vorab mit dem Arzt besprochen werden.

Auch sollte darauf geachtet werden, regelmäßig und ausreichend zu trinken. Hier empfehlen sich koffein-und zuckerfreie Getränke, wie Wasser oder Kräuter- und Früchtetees. Viren können sich besonders gut auf trockenen Schleimhäuten niederlassen.

Auch ein ausreichender Schlaf wirkt sich positiv auf das Immunsystem aus. Dauerhafter Stress hingegen vermindert aber die Abwehrkräfte. Um dem vorzubeugen ist es wichtig, immer wieder Entspannungspausen im Alltag zu machen, etwa einen Spaziergang einlegen oder ein Buch lesen.(Sie)

Stand: April 2020