Ein Blick über den Tellerrand – So nachhaltig kann ein Mittagessen außer Haus sein

Coronabedingt haben Kantinen derzeit noch geschlossen und viele Erwerbstätige im Homeoffice entdecken das Selberkochen wieder neu. Doch der Bedarf an einer guten Außer-Haus-Verpflegung bleibt bestehen. Woran erkennt man ein nachhaltiges Speisenangebot?

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Blick auf die Essensausgabe in der Kantine, dekoriert mit Obst und Gemüse

Mittagstisch außer Haus – worauf kommt es an?

Blick auf den Wochenspeiseplan

Um zu prüfen, ob man auch beim Mittagessen außer Haus in Sachen Nachhaltigkeit eine gute Entscheidung trifft, lohnt sich zu allererst ein Blick auf den Wochenspeiseplan der Kantine bzw. des Restaurants:

Vegetarische und vegane Gerichte

Sind in der Vollkost-Menülinie mindestens drei vegetarische Gerichte pro Woche im Angebot? Oder wird sogar eine eigene vegetarische Menülinie vorgehalten? Dann sind das zwei wesentliche Faktoren, die im Sinne der Nachhaltigkeit punkten. Denn beim Anbau pflanzlicher Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Kartoffeln oder Getreide entstehen weniger klimaschädliche Treibhausgase als bei der Erzeugung von Fleisch- und Wurstwaren. Ein veganes Gericht im Angebot ist ein weiterer Pluspunkt für die Nachhaltigkeit. Denn auch bei der Herstellung von Milchprodukten wie Käse, Quark oder Joghurt werden verhältnismäßig viele Treibhausgase freigesetzt.

Regionale und saisonale Produkte

Produkte aus der Region und Saison werden weniger weit transportiert und tragen so dazu bei, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Ein nachhaltiges Angebot erkennt man also auch daran, ob Produkte aus der Saison angeboten werden – hier hilft ein Blick in den Saisonkalender. Manche Kantinen bzw. Restaurants/Gaststätten gehen Kooperationen mit Betrieben der regionalen Erzeugung und/oder Verarbeitung ein. Oft werden diese Kooperationen über Aushängeschilder oder auf dem Menüplan benannt. Manche Anbieter verweisen auch über ihre Website auf regionale Bezugsquellen von Lebensmitteln. Ist das nicht der Fall, lohnt sich die Nachfrage allemal, denn was nicht ist, kann ja noch werden. Die Nachfrage bestimmt das Angebot letztendlich mit.

Verwendung von ökologisch erzeugten Produkten

Auch außer Haus kann auf den Einsatz von Lebensmitteln aus ökologischer Erzeugung geachtet werden. Statt synthetischem Dünger kommen hier insbesondere Mistkompost, Gründüngung und Nützlinge zum Einsatz. Zudem wird auf die Verwendung von Pestiziden verzichtet, sodass Artenvielfalt, Gewässer und Böden geschützt werden. Auch eine bestandsschonende Fischerei trägt zu einer nachhaltigen Ernährung bei. Ein  Blick auf den Speiseplan hilft weiter – Speisekomponenten und Lebensmittel in Bio-Qualität sollten dort benannt sein, genau wie Qualitätssiegel zum Beispiel für eine nachhaltige Fischerei.

Kennzeichnung und Herkunftsangaben

Insbesondere bei Bananen, Schokolade, Kakao, Kaffee und (Rohr-)Zucker lohnt neben dem Blick auf ein Bio-Siegel im Speiseplan auch der Blick auf ein Siegel zum Fairen Handel – denn faire Arbeitsbedingungen und Entlohnung in den Herkunftsländern dieser Produkte zu sichern, trägt ebenfalls zu einer nachhaltigen Ernährung weltweit bei.

Auch über regionale Herkunftsangaben und –siegel kann der Anbieter Auskunft geben. Um den Speiseplan bzw. die Speisekarte nicht zu überladen, wird hierzu häufig auch über die Website des Anbieters informiert.

Darauf kann man außerdem noch achten

Neben dem Blick auf den Speiseplan oder dem gezielten Nachfragen gibt es weitere Möglichkeiten, Nachhaltigkeit bei der Entscheidung für ein Mittagessen außer Haus zu berücksichtigen.

  • Portionsgrößen

Die Kantine bietet unterschiedliche Portionsgrößen oder die Möglichkeit eines Nachschlags an? Wunderbar! Nutzen Sie dieses Angebot, um die Portionsgröße Ihres Mittagessens individuell an Ihren Hunger anzupassen. Dadurch können Sie helfen zu vermeiden, dass wertvolle Lebensmittel weggeworfen werden müssen, weil sie auf dem Teller zurückbleiben.

  • Speisereste mitnehmen

War die Portion doch einmal größer als der Hunger? Dann fragen Sie nach, ob Sie Ihre Speisereste mitnehmen dürfen. Nachhaltig sind hier insbesondere umweltverträgliche Verpackungen, die recyclingfähig sind. Sie können auch ein eigenes Behältnis mitbringen.  Achten Sie bei der Entsorgung Ihrer Verpackung im Anschluss auf eine korrekte Mülltrennung.

  • Pfandsysteme oder eigene Behälter

Sie möchten (Heiß-) Getränke oder Speisen gerne außerhalb der Kantine/des Gastraums genießen? Dann fragen Sie nach, ob Geschirr auch draußen genutzt und im Rahmen eines Pfandsystems im Anschluss an Ihre Mittagspause zurückgegeben werden kann. Auch geeignete mitgebrachte Behälter (z. B. Mehrweg-Becher, Cup-To-Go) sind eine gute Alternative für den Verzehr unterwegs. Häufig wird dabei sogar eine Vergünstigung auf Ihr Heißgetränk angeboten.

  • Feedback geben

Viele Kantinen und Restaurants bitten um die Rückmeldung von Wünschen und Anregungen und fragen diese über unterschiedliche Systeme (z. B. Feedback-Bögen, Online-Feedback) regelmäßig ab. Sie haben Ideen, wie das Angebot in Ihrer Kantine oder dem Restaurant für Ihre Mittagspause noch nachhaltiger werden kann? Geben Sie Ihre Ideen weiter oder suchen Sie das Gespräch mit dem Anbieter oder der Restaurantfachkraft – sicher freut man sich über Ihre Anregungen!

  • Zertifizierungen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) hat Qualitätskriterien für die Verpflegung in Betrieben in einem Qualitätsstandard zusammengefasst. Betriebskantinen, welche die Kriterien erfüllen, können einzelne oder alle Menülinien entsprechend zertifizieren lassen. Da sich Aspekte der Nachhaltigkeit wie ein roter Faden durch die Empfehlungen dieser unabhängigen und wissenschaftlichen Fachgesellschaft ziehen, ist auch eine DGE-Zertifizierung ein guter Anhaltspunkt auf der Suche nach einem nachhaltigen Mittagsangebot. Wenn das Angebot Ihrer Kantine noch nicht zertifiziert ist, können Sie sich erkundigen, ob eine Zertifizierung geplant ist oder diese andernfalls anregen.

KlimaKantinen erkennen

Hessenweit engagieren sich bereits heute zahlreiche Einrichtungen für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Dieses Engagement unterstützt das Umweltministerium gezielt und bietet mit dem Netzwerk „100 KlimaKantinen“ Raum für einen Informations- und Erfahrungsaustausch. Teilnehmende Kantinen erkennt man an einem Schild in der Mensa, das die Kantinen als Mitglied im Netzwerk ausweist. Es macht deutlich, dass die jeweilige Kantine Maßnahmen des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit umsetzt. Es können zum Beispiel Großküchen Mitglied werden, die regionale und ökologischen Speisen auf den Tisch bringen, auf die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und Verpackungsmüll achten und das Angebot an Fleischgerichten reduzieren.

Weil die „100 KlimaKantinen“ im Netzwerk gegenseitig voneinander lernen, zeigt das Schild auch, dass sich die Kantinen in puncto Nachhaltigkeit gemeinsam immer weiterentwickeln möchten.(Kup)

Stand: Juli 2021