Dein Einsatz für nachhaltig erzeugte Lebensmittel aus der Region

Lebensmittelherstellung und -konsum sind meist weder nachhaltig noch gerecht. So werden Lebensmittel im Übermaß produziert und in großen Mengen weggeworfen oder häufig Mensch und Tier für Produktionszwecke ausgebeutet. Wem das stinkt, der hat die Möglichkeit sich einem Ernährungsrat anzuschließen oder die Gründung eines solchen Zusammenschlusses in seiner Stadt voran zu treiben.

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Hände übereinander

Was ist ein Ernährungsrat?

Bisher wurden Themen der Ernährungspolitik hierzulande vor allem auf EU-, Bundes- oder Landesebene besprochen. Ein Ernährungsrat ist ein Zusammenschluss bei dem Bürger die lokale Ernährungspolitik mitgestalten können. Dafür kommen Konsumenten, lokale Akteure der Lebensmittelversorgung wie Landwirte oder Ernährungshandwerker, Händler, Vertriebler, Gastronomen, Vereine und Initiativen wie Foodsharing oder Tafelunterstützer, Experten aus der Forschung, Wirtschaft und öffentlichen Verwaltungen an einen Tisch zusammen, um die lokale Lebensmittelversorgung zu stärken und gerechter und ökologischer zu machen.

Was macht ein Ernährungsrat genau?

Ziel eines Ernährungsrates ist es, zum Beispiel mehr sozial und ökologisch nachhaltig erzeugte Lebensmittel aus der Region anzubieten. Kleinbäuerliche Betriebe und regionale und faire Handelsstrukturen stehen im Vordergrund. Des Weiteren sollen alle Bürger der Stadt Zugang zu diesen Lebensmittel erhalten – unabhängig vom Einkommen. Auch in Großküchen, wie Mensen oder Kantinen soll eine gesunde und regionale Essensversorgung möglich sein. Gartenbauprojekte wie Urban Gardening und alternative Formen der Landwirtschaft sollen gefördert werden.

Hierfür werden zunächst gemeinschaftlich sogenannte Bestandsaufnahmen der lokalen und regionalen Ernährungssituation vorgenommen. Wie ist aktuell die Schulverpflegung organisiert? Gibt es bereits Gartenbauprojekte? Wie steht es um den ökologischen Landbau in der Region?

Anhand derer sollen Möglichkeiten, Konzepte und Empfehlungen erarbeitet werden, um den Zielen Stück für Stück näher zu kommen, zum Beispiel wie die Schulverpflegung noch regionaler gestaltet, Gartenbauprojekte gefördert oder der ökologische Landbau ausgebaut werden kann.

Der Ernährungsrat arbeitet eng mit der Stadtverwaltung zusammen und stellt die erarbeiteten Konzepte und Projektziele der Stadt vor. Er möchte als ein partnerschaftliches Netzwerk verstanden werden, das durch seine verschiedenen Mitglieder unterschiedlichstes Wissen bündelt und beim Thema Ernährung der kommunalen Politik beratend zur Seite steht.

Je nach Stadt stellt der Ernährungsrat ein Gremium der Stadtverwaltung dar und besitzt geregelte Aufgaben und Kompetenzen, welche ihm vom Stadtparlament zugetragen wurden, oder ist ein unabhängiger, eingetragener Verein. Rund um den Ernährungsrat bilden sich Ausschüsse zu verschiedenen Schwerpunktthemen wie beispielsweise Regionale Direktvermarktung“, „Gastronomie“, „Lebensmittelhandwerk“ oder „Ernährungsbildung“.

Woher stammt die Idee?

Der erste Ernährungsrat wurde 1982 im Rahmen eines studentischen Projektes in Knoxville in den USA gegründet, um die dortige Nahrungsmittelversorgung zu verbessern. Mit Erfolg.

Weitere Zusammenschlüsse, sogenannter „Food Policy Councils“, in Nordamerika folgten, um sich ebenfalls mit lokalen Ernährungsproblemen der Städte zu befassen.

In den letzten zehn Jahren schwappte dies Konzept auch nach England, Frankreich, den Niederlanden, Deutschland, der Schweiz und Österreich.

Wo gibt es in Deutschland bereits Ernährungsräte?

Die ersten Ernährungsräte in Deutschland gründeten sich 2016 in Köln und Berlin. Seit dem steigt die Zahl der Initiativen an. Mittlerweile gibt es in elf Städten der Bundesrepublik einen Ernährungsrat. Viele weitere Städte befinden sich in der Gründungphase oder planen erste Schritte dazu. In Hessen gibt es bereits in Frankfurt einen Ernährungsrat. Wiesbaden, der Wetteraukreis, Gießen und Kassel sind in der Planungsphase.

Wie kann ich mitmachen?

Beim Ernährungsrat kann jeder mitmachen, der das Interesse hat, das lokale Ernährungssystem mit zu gestalten. Auf Ernaehrungsraete.de hilft eine interaktive Karte die derzeitigen Initiativen einzusehen und via Links zu den Webseiten der Zusammenschlüsse zu gelangen. So kann man zum Beispiel in Kontakt treten oder erfahren, wann die nächsten Treffen stattfinden.

Tipps wie man selbst einen Ernährungsrat gründet, gibt es außerdem in der Infobroschüre „Unser Essen mitgestalten“ von INKOTA-Netzwerk e.V.

Stand: Februar 2019