Kann eine veränderte Ernährungsgewohnheit zur Klimarettung beitragen?

Ein Drittel der Treibhausgase, circa 70 Prozent des Wasserverbrauchs und ein hoher Grad an Umweltverschmutzung gehen auf die Rechnung unserer Ernährungsweise. Mit der Planetary Health Diet hat ein internationales Forscherteam einen Ernährungsplan zur globalen Ernährungswende entwickelt.

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Zwei Hände umrahmen eine Weltkugel. Im Hintergrund grünes Blattwerk.

Bis zum Jahre 2050 sollen laut Schätzungen 10 Milliarden Menschen die Erde bewohnen. Diese Anzahl könnte die Erde an ihre ökologische Belastungsgrenze bringen, denn allein die menschliche Ernährung hat einen erheblichen Anteil an der globalen Umweltzerstörung und dem Klimawandel. Ein Forscherteam aus verschiedenen Ländern und Wissenschaftsbereichen - von Politik über Agrarwissenschaften und Gesundheit bis Umweltschutz, hat ein Modell für einen gesunden und nachhaltigen Speiseplan entwickelt, der als Richtwert für die tägliche Ernährung der gesamten Weltbevölkerung dienen soll: eine planetare Gesundheitsdiät.

Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Adipositas oder Herzinfarkt könnten mit der sogenannten Planetary Health Diet verringert werden. Die Wissenschaftler schätzen, dass durch die zukunftsträchtige Ernährungsumstellung etwa elf Millionen vorzeitige Todesfälle aufgrund ernährungsbedingter Krankheiten verhindert werden könnten.

Weniger Fleisch, mehr Gemüse, Obst und Vollkorngetreide

Die Konzeption des Speiseplans der Zukunft beruht auf anerkannten Ernährungsempfehlungen sowie Studien aus der Gesundheitsforschung. Außerdem ging das Forscherteam von einem durchschnittlichen Energiebedarf von 2500 Kilokalorien am Tag aus.

Hieraus ergibt sich eine Ernährungsweise, die sich größtenteils aus pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und ungesättigten Fetten zusammensetzt. Grund dafür ist, dass Fleisch wesentlich höhere Auswirkungen auf das Klima hat, etwa durch direkte Emissionen von Klimagasen wie Methan oder CO2. Zudem ist der Verbrauch von Ressourcen wie Wasser, Energie, Getreide als Futter und Land für Weidefläche enorm.

Das bedeutet aber nicht, dass sich alle Menschen vegetarisch oder sogar vegan ernähren sollten. Ziel ist eine flexitarische Ernährung: weniger Fleisch, dafür in besserer Qualität. So können Milch und Milchprodukte, Fisch, Meeresfrüchte oder Eier und Geflügel in moderaten Mengen verzehrt werden. Fleisch vom Rind oder Schwein, aber auch stärkereiche Gemüsearten wie Kartoffeln oder Maniok, Zucker und gesättigte Fette sollten nur noch in geringen Mengen auf dem Speiseplan stehen.

Vergleicht man die vom Forscherteam ermittelte Fleischmenge mit den durchschnittlich in Deutschland verzehrten Portionen am Tag, zeigt sich ein deutliches Missverhältnis: Für einen gesunden Menschen und Planeten ist ein Viertel der aktuell verzehrten Menge völlig ausreichend. Beim Konsum von Milch und Milchprodukten reicht die Hälfte.

Lebensmittelgruppe

Empfohlene Menge pro Tag in Gramm (in Klammern mögliche Spannbreiten)

Kohlenhydratquellen

Vollkorngetreide

232

Stärkehaltiges Gemüse (Kartoffeln, Maniok etc.)

50 (0-100)

Gemüse

300 (200-600)

Obst

200 (100-300)

Proteinquellen

Rind-, Lamm- und Schweinefleisch

14 (0-28)

Geflügel

29 (0-58)

Eier

13 (0-25)

Fisch

28 (0-100)

Hülsenfrüchte

75 (0-100)

Nüsse

50 (0-75)

Mich und Milchprodukte

250 (0-500)

Fette

Ungesättigte Fette (Oliven-, Raps-, Sonnenblumen-, Soja-, Erdnuss-, Traubenkernöl)

40 (20-80)

Gesättigte Fette ((Palmöl, Schmalz, Talg)

11,8 (0-11,8)

Zugesetzter Zucker

Alle Süßungsmittel

31 (0-31)

Quelle: EAT-Lancet-Kommission; BZfE

Anpassung an Traditionen, Regionen und Kulturen

Da sich die Planetary Health Diet als weltweite Ernährungsempfehlung verstehen soll, bietet sie eine Spannbreite in den Mengenangaben an, die noch als umweltfreundlich und gesundheitsförderlich anzusehen ist. So können individuelle Vorlieben und kulturelle Einflüsse bei der Lebensmittelauswahl berücksichtigt werden.

Zudem empfiehlt diese Ernährungsform keine konkreten Lebensmittel, sondern schlägt nur Lebensmittelgruppen (Obst, Gemüse und so weiter) vor. In Afrika ernährt man sich anders als in Nordamerika, am Meer anders als in Bergregionen.

Lebensmittelverschwendung vermeiden

Neben der globalen Ernährungsumstellung fordern die Wissenschaftler die Umsetzung einer nachhaltigen Lebensmittelerzeugung von Politik, Wirtschaft und Landwirtschaft. Dies beinhaltet die Verringerung der CO2-Emissionen und des Wasserverbrauchs, die Begrenzung landwirtschaftlicher Flächen, die Erhaltung der Artenvielfalt, die Einschränkung der Schadstoffbelastung durch Düngemittel sowie die deutliche Verringerung von Lebensmittelabfällen.

Das können Verbraucher tun:

  • Regionale und saisonale Produkte bevorzugen.
  • Lebensmittelverschwendung vermeiden, zum Beispiel durch gezielte Einkaufsplanung, die richtige Vorratshaltung und die Verwendung noch geniessbarer Produkte.
  • Konsum von ökologisch und verantwortungsbewusst erzeugten Produkten. Siegel auf Verpackungen können hier Klarheit verschaffen.

Fazit

So utopisch ist die Idee der Planetary Health Diet gar nicht. Tatsächlich stimmen die Lebensmittelmengen des zukunftstauglichen Speiseplans weitestgehend mit den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für eine vollwertige Ernährung überein. Auch hier liegt der Schwerpunkt auf einer größtenteils pflanzenbasierten Lebensmittelauswahl, mit viel Gemüse, Obst, Vollkorngetreide, Nüssen sowie hochwertigen Pflanzenölen. Fisch und Geflügel sollten nur in moderaten Mengen und rotes oder verarbeitetes Fleisch, Weißmehlprodukte sowie Zucker kaum bis gar nicht verzehrt werden. Eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung ist nicht nur gut für den Planeten Erde, sie hält auch die Menschen gesund, fördert die Leistung und das Wohlbefinden! (Sie)

Stand: Mai 2022