Ernährung bei Reizdarm

Wer unter einem Reizdarm leidet, der muss sich häufig mit Magen-Darm-Beschwerden rumärgern. Eine richtige Diät oder Therapie gibt es nicht. Vielmehr müssen sich die Betroffenen auf die Suche nach den Lebensmitteln machen, die den Darm in Aufruhr bringen.

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Person hält sich den Bauch und krümmt sich nach vorne vor Magen-Darm-Beschwerden

Reizdarm – wenn es zwickt und rumort im Bauch und keiner weiß warum

Laut der Techniker Krankenkasse leiden 12 Millionen Menschen in Deutschland am Reizdarmsyndrom. Betroffene kämpfen mit ständig wiederkehrenden Bauchschmerzen, Blähungen, Völlegefühl, Kopfschmerzen, Durchfall oder Verstopfung. Meist ist der Weg bis zur eindeutigen Diagnosestellung lang und steinig, schließlich sind die Symptome recht unspezifisch. Magen-Darm-Erkrankungen, Lebensmittel-Unverträglichkeiten und weitere organische Leiden, die ein ähnliches Krankheitsbild verursachen und eine spezielle Behandlung benötigen, müssen als Ursache gänzlich ausgeschlossen werden.

Eine spezielle Reizdarm-Diät gibt es nicht

Steht die Diagnose „Reizdarmsyndrom“ fest, geht es daran, die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Bisher gibt es keine spezielle Reizdarmsyndrom-Diät. Vielmehr sollten Betroffene eine individuell auf die persönlichen Symptome abgestimmte Ernährung beherzigen.

Kommt es also zu regelmäßigen Beschwerden nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel – etwa stark gewürzter, scharfer, frittierter, panierter oder geräucherter - sollen diese gemieden werden. Auf einen bloßen Verdacht hin auf bestimmte Lebensmittel oder Lebensmittelgruppen zu verzichten, ist weniger ratsam. Hier kann im schlimmsten Fall eine Fehl- oder Mangelernährung die Folge sein.

Generell gilt: Eine ausgewogene, vollwertige Ernährung, bei der auf eine fettarme Zubereitung der Speisen geachtet wird, sollte die Basis sein.

FODMAPS: Kohlenhydrate und Zuckeralkohole

FODMAP ist  die englische Abkürzung für „fermentable oligo-, di-, monosaccharides and polyols“, darunter versteht man Mehrfach-, Zweifach-, Einfachzucker und mehrwertige Alkohole - also bestimmte Kohlenhydrate und Zuckeralkohole. Dazu zählen zum Beispiel Milchzucker (Laktose), Fruchtzucker (Fruktose), Fruktane, Galakto-Oligosachharide oder die Polyole Sorbitol, Mannitol, Xylitol oder Maltitol. Diese kommen in vielen Nahrungsmitteln wie Obst, Gemüse, Milch, Getreide oder als Süßungs- und Verdickungsmittel in fettreduzierten oder verarbeiteten Lebensmitteln vor und können im Dünndarm nur schlecht resorbiert werden. Stattdessen wandern sie schnell weiter in den Dickdarm, wo sie von Bakterien fermentiert werden. Eine erhöhte Gasbildung, die mit Blähungen einhergeht, ist die Folge.

Forscher vermuten einen möglichen Zusammenhang zwischen den FODMAPS und dem Beschwerdebild des Reizdarmsyndroms.

Wichtig hierbei: FODMAPS sind weder bedenklich für die Gesundheit, noch giftig. Sie können lediglich bei einigen Personen zu Verdauungsbeschwerden führen oder eine bestehende Reizdarm-Symptomatik verstärken.

Kurzzeitige FODMAPS-Diät soll Abhilfe bei Beschwerden schaffen

Betroffene des Reizdarmsyndroms können mittels einer kurzzeitigen, maximal achtwöchigen FODMAPS-Diät auf die Spur von nicht gut verträglichen Lebensmitteln und Produkten gehen. Während dieser Ernährungsweise besteht die Kost hauptsächlich aus glutenfreiem Getreide, bestimmten Obst- und Gemüsesorten und tierischen Lebensmitteln mit Ausnahme von Milch, Joghurt und Sahne. Nach zwei Monaten werden die unterschiedlichen FODMAPS wieder nach und nach in die Ernährung eingeführt und so die Verträglichkeit getestet. Der Betroffene kann somit herausfinden, welche Lebensmittel in welchen Mengen bei ihm Beschwerden auslösen und in Zukunft den Verzehr gezielt verringern oder vermeiden.

Zu den besonders FODMAP-reichen Obst- und Gemüsearten zählen zum Beispiel: Blumenkohl, Artischocke, Bohnen, Erbsen, Pilze, Linsen, Spargel, Linsen, Äpfel, Kirschen, Pfirsiche oder Birnen.

FODMAP-arm sind hingegen Gurken, Brokkoli, Kartoffeln, Kürbis, Paprika, Spinat, Zucchini, Kichererbsen, Bananen, Erdbeeren, Blaubeeren, Kiwis oder Weintrauben.

FODMAPS können auch Auswirkungen auf Verträglichkeit von Weizen haben

In allen Getreidesorten - alt wie neu - finden sich ebenfalls FODMAPs in Form von Oligosacchariden wieder. Während der Verarbeitung zu beispielsweise Brot, können sie allerdings abgebaut werden. Hierfür muss der Teig lange gären. Häufig erfahren Brote aus Urgetreide solch eine längere Teigführung. Dies macht sie für Personen, die empfindlich auf FODMAPs reagieren, bekömmlicher als klassische Sorten wie Weizenbrot. Weitere FODMAPS-arme Getreidesorten sind: Hafer, Dinkel, Buchweizen, Polenta, Reis oder Quinoa.

FODMAPS-Diät nur unter ärztlicher Begleitung und nicht als Langzeit-Ernährungsform

Die FODMAPS-Diät sollte nicht über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden, da ansonsten eine Fehl- und Mangelernährung die Folge sein kann. Schließlich wird hauptsächlich auf Obst, Gemüse und viele Getreidesorten verzichtet, die reich an Vitaminen und Mineralstoffen sind.

Dadurch, dass die Aufnahme von Fruktose während der FODMAP-Diät vermieden wird, kann es zu einer verringerten Bildung eines Transportenzyms für den Fruchtzucker kommen. Dies kann dazu führen, dass sich bei einem erneuten Verzehr von Fruktose die Symptome sogar verschlimmern.

Generell gilt: Die FODMAPS-Diät sollte nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt durchgeführt werden.

Weiterer Nachteil: Bisher kaum wissenschaftliche Belege

 Aussagekräftige Untersuchungen zur FODMAPS-Diät gibt es bisher kaum. Zwar deuten einzelne Studien auf einen positiven Effekt bei typischen Reizdarm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähbauch oder Durchfall hin, aber Auswirkungen auf beispielsweise die Darmflora, die die FODMAPS sogar benötigt, sind bisher noch ungeklärt.

Was kann noch helfen bei Reizdarm-Beschwerden?

  • Ballaststoffreiche Ernährung: Lebensmittel, die viele Ballaststoffe enthalten, wie Gemüse oder Vollkorngetreide, wirken verdauungsfördernd und beugen Verstopfung und Durchfällen vor. Wer Probleme mit Vollkornprodukten hat, kann auf Leinsamen oder Flohsamenschalen zurückgreifen.
  • Schonkost: Lebensmittel wie Zwiebeln, Kohlgemüse, Hülsenfrüchte, scharfe Gerichte oder Salat können blähend wirken und den Darm unnötig auf Trab halten.
  • In der Ruhe liegt die Kraft: Entspannt essen heißt die Devise! Ein gutes Zerkauen der Speisen kann den Darm entlasten. Schließlich beginnt so schon der Verdauungsprozess im Mund.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Täglich sollten mindestens zwei Liter kalorienfreie Getränke, wie Wasser, Früchte- oder Kräutertees zu sich genommen werden.
  • Ernährungstagebuch: Wer regelmäßig die verzehrten Speisen notiert, kann auch ohne spezielles Diätprogramm Lebensmitteln auf die Schliche kommen, die im Darm rumoren.
  • Viel Bewegung: Sport und Alltagsbewegung hält den Darm in Schwung. Daher lieber einmal öfter aufstehen, die Treppe benutzen oder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren.(Sie)

Stand: März 2021