Mit Freude ausgewogen essen im Alter

Mit höherem Alter lässt bei vielen Senioren die Lust am Essen nach. Häufig sind Geschmacksverlust, Kauprobleme und Schluckbeschwerden die Ursache. Doch es gibt kleine Kniffe, wie das Essen wieder mehr Spaß machen und man einer Mangelernährung entgegenwirken kann.

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Älteres Pärchen isst zusammen Mittagessen

Im höheren Alter lässt oft die Freude am Essen nach

Nicht nur in jungen Jahren ist eine ausgewogene und vollwertige Ernährung unerlässlich – auch für Menschen im höheren Alter spielt sie eine große Rolle, um fit und selbstständig zu bleiben.

Allerdings steigt mit dem Alter das Risiko für verschiedene Krankheiten und körperliche Veränderungen, die den Senioren oft die Freude und den Appetit am Essen nehmen. So lässt die Leistungsfähigkeit vieler Organe nach. Auch der Hormonhaushalt nimmt ab. Dadurch kommt es häufig zu vermindertem Appetit und Durstempfinden sowie Geruchs- und Geschmacksverlust.

Viele ältere Menschen klagen zudem über Beschwerden beim Kauen. So gestaltet sich besonders der Verzehr von Obst, Gemüse oder Brot schwierig. Sitzt zudem die Zahnprothese schlecht oder kommt es gehäuft zu Entzündungen der Mundschleimhaut, kann dies sogar Schmerzen beim Essen erzeugen. Auch ein geringer Speichelfluss, Mundtrockenheit oder Schluckprobleme erschweren die Nahrungsaufnahme im Alter. Die Folge davon kann Mangel- und Unterernährung bei sein.

Weitere Faktoren für einen unzureichenden Ernährungsstatus können Depressionen, Demenz oder Bewegungseinschränkungen sein, etwa in Folge von Schlaganfall oder Parkinson.

Aufgepasst bei Mangelernährung

Der Körper gilt dann als mangelernährt, wenn er zu wenige Nährstoffe, wie Kohlenhydrate, Eiweiß, Fette, Vitamine, Mineralstoffe oder Spurenelemente aufnimmt. Dabei muss bei einem solchen Nährstoffmangel der Körper nicht zwangsläufig untergewichtig sein. Auch normalgewichtige Personen oder Menschen, die an Übergewicht leiden, können sich einseitig ernähren und ein Nährstoffdefizit aufweisen.

Eine Mangelernährung im höheren Alter ist nicht zu unterschätzen. So kann sie ein erhöhtes Risiko für eine verzögerte Wundheilung, ein geschwächtes Immunsystem oder krankenhausbedingte Infektionen mit sich bringen. Auch ist die Sterberate bei mangelernährten Patienten höher, als bei Patienten mit einem guten Ernährungsstatus.

Das macht Appetit

Kleine Veränderungen können dabei helfen, dem Appetit wieder ein bisschen auf die Sprünge zu helfen.

  • Mehre kleinere Mahlzeiten am Tag: Anstatt drei Mal täglich eine größere Mahlzeit zuzubereiten, kann es hilfreich sein mehrere kleine Mahlzeiten über den gesamten Tag hinweg zu verteilen, zum Beispiel mit einer Frühmahlzeit direkt nach dem Aufstehen und einem Nachthappen als Betthupferl vor dem Schlafengehen.
  • Das Auge isst mit! Appetitlich angerichtete Speisen und ein schönes Umfeld, wie etwa ein liebevoll gedeckter Essenstisch, kann die Lust am Essen steigern.
  • Geschmack anregen: Die Verwendung frischer Kräuter und buntem, abwechslungsreichem Gemüse, sorgt für Geschmacksvielfalt.
  • Frische Luft tut gut: Sich draußen zu bewegen ist nicht nur gesund, sondern regt auch den Appetit an.
  • In Gesellschaft schmeckt es besser: Essen in Gesellschaft mach besonders viel Freude. Wie wäre es also mit einer Verabredung zum Mittagessen mit der Nachbarin, Kaffee und Kuchen beim nächsten Besuch der Enkelkinder oder gemeinsamen Abendbrotessen im Seniorenheim?
  • Lebensmittel sichtbar machen: Damit die regelmäßige Nahrungsaufnahme nicht vergessen wird, kann es hilfreich sein, sich kleine Portionen für zwischendurch bereit zu stellen, etwa ein in Stücke geschnittener Apfel, ein Schälchen Fruchtquark, Pudding oder appetitlich belegte Häppchen, die als praktisches Fingerfood zum Zugreifen animieren.
  • Leibspeise kochen: Wenn es Gerichte gibt, die besonders gerne verzehrt werden, warum diese nicht einfach öfter servieren?

Auch die Einnahme mancher Medikamente kann den Appetit beeinträchtigen. Hier kann die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt weiterhelfen. Eventuell ist es möglich, Einnahmezeitpunkte zu verschieben.

Kau-und Schluckbeschwerden ärztlich abklären lassen

Kauprobleme spielen bei etwa 20 Prozent der Senioren eine Rolle. Häufig werden von den Betroffenen Lebensmittel, die sehr kauintensiv sind, wie Vollkornbrot, frisches Obst und Gemüse sowie Fleisch, gemieden. Ersetzt werden diese oft durch weichere Lebensmittel (z. B. Nudeln oder Weißbrot), weichgegarte Speisen oder Breiiges oder es wird einfach weniger gegessen. Die Versorgung mit notwendigen Nährstoffen kann darunter leiden und der Genuss kommt oft zu kurz.

Hier ist es sinnvoll, die Beschwerden und Ursachen vom Arzt oder Zahnarzt abklären zu lassen.

Zusätzlich können folgende Tipps helfen:

  • Harte Brotrinden oder Obstschalen entfernen 
  • Die Lebensmittel in kleinen, portionierten Happen (Fingerfood) reichen
  • Das Raspeln (z. B. bei Karotten) oder Pürieren (Gemüse) kann hilfreich sein
  • Bratenfleisch, das oft schlecht kaubar ist, kann durch Hackfleisch ersetzt werden
  • Rohkost kann durch schonend gedünstetes Gemüse ausgetauscht werden
  • Grobes Vollkornbrot kann durch feingemahlenes Vollkornbrot ersetzt werden
  • Ersatz von Hartkäse durch Frisch- oder Weichkäsesorten
  • Gut geeignet sind auch Eintopf- und Suppengerichte, Fleisch- und Fischspeisen mit Soße sowie Puddingspeisen

Schluckbeschwerden treten bei fünf bis zehn Prozent der Hochbetagten auf. Diese sind oft Folge von Schlaganfällen, anderen neurologischen Störungen oder Erkrankungen im Bereich der Speiseröhre. Auch Schluckstörungen führen dazu, dass zu wenig gegessen wird, weil der Schluckvorgang nicht funktioniert oder aus Angst, sich so zu verschlucken, dass Nahrung in die Luftröhre gelangt.

Schluckstörungen müssen auf jeden Fall ernst genommen und behandelt werden. Ein Schlucktraining durch einen Logopäden kann helfen, das Risiko, sich zu verschlucken, zu verringern. Auch aufrechtes Sitzen, besonders bei bettlägerigen Patienten, kann das Abschlucken erleichtern. In besonders schweren Fällen kann auf eine hochkalorische Trinknahrung zurückgegriffen werden. Eine Rücksprache mit einem Arzt bleibt unabdingbar. (Sie)

Stand: März 2021