Kau- und Schluckprobleme - was tun?

Senioren mit Kauproblemen vermeiden häufig Lebensmittel, die sehr "kauintensiv" sind, z. B. Vollkornbrot, frisches Obst oder Gemüse sowie Fleisch. Ersetzt werden diese häufig durch von Natur aus weichere Lebensmittel (z. B. Nudeln oder Weißbrot), weichgegarte Speisen oder Breiiges oder es wird einfach weniger gegessen. Die Versorgung mit notwendigen Nährstoffen kann darunter leiden und der Genuss kommt oft zu kurz. Was tun?

Frau alt Haende abwehrend cd cc.jpg

Alte Frau streckt abwehrend die Hände aus

"Äpfel kann ich nicht mehr beißen" oder "Bei Vollkornbrot ist die Rinde so hart" - dies sind typische Aussagen von Senioren, die Schwierigkeiten mit dem Kauen haben.



Kauprobleme spielen bei etwa 20 % der Senioren eine Rolle und können verschiedene Ursachen haben, z. B. schlecht sitzende Zahnprothesen, fehlende Zähne, Entzündungen der Mundhöhle oder des Zahnfleisches.

Das Kauen der Nahrung ist wichtig, weil die Speisen dadurch zerkleinert und schluckbar gemacht werden. Außerdem beginnt durch die Zerkleinerung im Mund bereits ein Teil der Verdauung und damit die Ausnutzung von Nährstoffen. Auch appetitanregende Geschmacks- und Geruchsstoffe werden durch das Kauen aus der Nahrung freigesetzt, ein angenehmer Nebeneffekt.

Senioren mit Kauproblemen vermeiden häufig Lebensmittel, die sehr "kauintensiv" sind, z. B. Vollkornbrot, frisches Obst oder Gemüse, sowie Fleisch. Ersetzt werden diese häufig durch von Natur aus weichere Lebensmittel (z. B. Nudeln oder Weißbrot), weichgegarte Speisen oder Breiiges oder es wird einfach weniger gegessen. Die Versorgung mit notwendigen Nährstoffen kann darunter leiden und der Genuss kommt oft zu kurz.

Was tun?

Zunächst lohnt der Versuch die Ursachen zu beseitigen, d. h. einen Zahnarztbesuch zu vereinbaren, um die entsprechenden Probleme zu erkennen. Daneben können verschiedene küchentechnische Maßnahmen angewendet werden:

  • Harte Brotrinden oder Obstschalen können entfernt werden, 
  • die Lebensmittel in kleinen portionierten Happen ("Fingerfood") reichen,
  • das Raspeln (z. B. bei Karotten) oder Pürieren (Gemüse) kann hilfreich sein,
  • Bratenfleisch, das oft schlecht kaubar ist, kann durch Hackfleisch ersetzt werden, 
  • Rohkost kann durch schonend gedünstetes Gemüse ausgetauscht werden, 
  • grobes Vollkornbrot kann durch feingemahlenes Vollkornbrot ersetzt werden, 
  • Ersatz von Hartkäse durch Frischkäse usw. 
  • Gut geeignet sind auch Eintopf- und Suppengerichte, Fleisch- und Fischspeisen mit Soße sowie Puddingspeisen.

Zu den Mahlzeiten sollten immer Getränke gereicht werden.

Schluckprobleme treten bei 5 bis 10 % aller Senioren auf. Der Schluckvorgang ist ein sehr komplizierter Vorgang. Schluckstörungen sind häufig Folge von Schlaganfällen, anderen neurologischen Störungen oder Erkrankungen im Bereich der Speiseröhre. Auch Schluckstörungen führen dazu, dass zu wenig gegessen wird, weil der Schluckvorgang nicht funktioniert oder aus Angst, sich so zu verschlucken, dass Nahrung in die Luftröhre gelangt.

Schluckstörungen müssen auf jeden Fall ernst genommen und behandelt werden. Ein Schlucktraining durch einen Logopäden kann helfen, das Risiko, sich zu verschlucken, zu verringern. Um eine Mangelernährung zu vermeiden, muss die Beschaffenheit der Nahrung (dickflüssig oder dünnflüssig) individuell angepasst werden. Mischkonsistenzen, wie z.B. eine Suppe mit Einlage, sind ungünstig. Eine einheitliche Konsistenz des Gerichtes ist bei Schluckschwierigkeiten am besten. Zum Andicken von Nahrung stehen verschiedene Dickungsmittel (erhältlich in der Apotheke) zur Verfügung, bei schwerwiegenden Schluckstörungen muss eventuell (vorübergehend) auf hochkalorische Trinknahrung (sog. Astronautenkost) ausgewichen werden. Hilfreich ist aufrechtes Sitzen beim Essen bzw. bei bettlägerigen Patienten das Hochlagern des Oberkörpers auch noch nach dem Essen.

Gut gewürzte Speisen appetitlich gereicht, bringen Menschen mit Kau- und Schluckbeschwerden "auf den Geschmack" und motivieren zu einer ausreichenden Nahrungsaufnahme.

Stand: Februar 2019